GOTT - Bibel - Welt

Auf SEINE STIMME hören

Erster Adventsonntag C

Samstag / Sonntag
1. / 2. Dezember 2018

Einführung in die Lesung 

      Die heutige Lesung bringt uns einen kleinen Ausschnitt aus dem Ersten Tessalonicherbrief. Der Völkerapostel Paulus war in den Jahren 50/51 in Korinth und hat damals den Ersten Brief an die Gemeinde in Thessalonich geschrieben. Der Erste Thesssalonicherbrief ist der älteste Paulusbrief und das älteste Schriftstück im Neuen Testament überhaupt. 

      Dieser Brief gibt uns Einblick in eine Gemeinde des frühesten Christentums. Und die junge Christengemeinde in Thessalonich war die erste Christengemeinde in Europa. Mit ihr hat der christliche Glaube vom Orient herkommend in Europa Fuss gefasst. Hören wir gut auf die Hinweise aus urchristlicher Zeit!

 

Lesung aus dem ersten Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde in Thessalonich

 

      Schwestern und Brüder! Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit eure Herzen gestärkt werden und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, bei der Ankunft Jesu, unserem Herrn, mit allen seinen Heiligen. Amen.

      Im Übrigen, Brüder und Schwestern, bitten und ermahnen wir euch im Namen Jesu, des Herrn: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener! Ihr wisst ja, welche Ermahnungen wir euch im Auftrag Jesu, des Herrn, gegeben haben(1 Thessalonich 3,12 – 4,2)

Lesung aus dem Evangelium nach Lukas

      In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn in einer Wolke kommen sehen, mit grosser Kraft und Herrlichkeit. Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.

      Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht wie eine Falle; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.(Lukas 21,25-28.34-36)

 

Predigtwort

Impulse aus Not und Hoffnung

      Das heutige Evangelium berichtet von eindrücklichen Zeichen: von Untergang und Neuanfang, von Angst und Hoffnung. Im zweiten Jahrhundert vor Christus ist in gewissen Gruppierungen im Vorderen Orient eine Art  Endzeitstimmung aufgekommen: apokalyptische Vorstellungen und Visionen wurden erzählt und aufgeschrieben. Man ahnte: Etwas Neues ist im Kommen.

      In solche Stimmungslage hinein spricht der Ruf Jesu im Evangelium: „wacht und betet allezeit“, „denn eure Erlösung ist nahe“.

      Für uns heute am ersten Adventsonntag kann es anregend sein, uns zu fragen: wie können wir einen aufbauenden und positiven Advent 2018 leben?

      Das Evangelium sagt uns dazu : durch Wachen und Beten. Wachen bedeutet Achtsamkeit und Beten bedeutet in vertrauender Beziehung sein mit dem Göttlichen.

      Dazu gibt uns der Apostel Paulus einen Hinweis, in seinem Brief an die Glaubensgemeinde in Thessalonich. Wir haben in der heutigen Lesung einige Sätze aus diesem Brief gehört: Es heisst da unter anderem: „Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben“. Der zentrale Gedanke in diesem Abschnitt des Briefes ist da: „wachsen und reich werden in der Liebe zueinander“.

      Alles, was lebt, hat den Impuls zu wachsen. Und Liebe wächst und wird reich durch Beziehungen. Beziehungen bereichern uns und wir bereichern damit auch die andern. Martin Buber hat diese Wirklichkeit klassisch mal so formuliert: „Ich werde am Du; Ich werdend spreche ich Du. Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

      Advent 2018 kann für uns ein Neustart sein, wenn wir unsere Beziehungen echt pflegen. Wenn beispielsweise ein Ehepaar oder Freundespaar die Momente für Zweisamkeit und die Rituale des Alltags besonders nutzt; also z.B. besonders bewusst miteinander das Essen geniesst. Wir können Zeit einsetzen für gemeinsame Unternehmungen; Zeit für echte Beziehung mit der Familie, mit Freunden, mit Nachbarinnen. Mit Kleinigkeiten können wir einander erfreuen. Wir können auch Zeit schenken für die Anliegen von Mitmenschen; Zeit zu aufmerksamem Zuhören und Mitfühlen.

      Und was auch wichtig ist: Zeit schenken und achtsam sein auch zu uns selbst. Wir brauchen diese Aufmerksamkeit für uns selbst, damit wir liebend und achtsam uns den andern zuwenden können. Das hat der heilige Bernhard von Clairvaux mal klar formuliert in einem Brief an seinen Mitbruder, der gerade Papst geworden war. Er hat ihm geschrieben: „Gönne dich dir selbst!“. Denn wie kann man zu jemand anderem gut sein, wenn man es nicht auch zu sich selbst ist?!

      Wachsen in der Liebe zueinander, das braucht uns als ganze Person: wir sollen bereit sein zum Empfangen und zum Geben! Das verlangt Achtsamkeit und Zeit.

      Ein Impuls in diesem Advent könnte sein: Wir versuchen jeden Tag mindestens einen Menschen mit liebendem Herzen und ganz präsent anzublicken und so dieser Person Ansehen zu schenken. Wir schicken diesem Gegenüber für einen Augenblick gute Gedanken, unsere ganze Empathie und Wertschätzung. Wir lächeln den anderen an. Und wir werden staunen, was das in uns bewirkt an gutem Gefühl.

      Durch solchen Herzensblick und wertschätzende Gedanken wächst die Liebe füreinander und zu sich selbst. Und wenn dazu herzliches Gebet dazu kommt, wird die Beziehung mit dem Göttlichen, dem Urgrund allen Lebens gepflegt und gestärkt. Diese beiden inneren, seelischen Tätigkeiten lassen Wachsen und Reichtum der Liebe erfahren im Geben und Nehmen.
      Auf diese Weise können die Tage des Advent 2018 für uns zu einer besonderen, anregenden Zeit für Wachstum und volles, seelisches Leben werden.

      Ein Ausdruck von solch liebevollem Verhalten ist auch das Bild „Kind mit Taube“ von Pablo Picasso, das sich auf unserem Flyer  Advent 2018 findet. Es will uns sagen: Gehen wir behutsam um mit unseren Beziehungen und unserem spirituellen, seelischen Leben. Hüten wir schützend und liebend unsere Beziehung zu uns selbst, zu den Mitmenschen und zu GOTT, dem Urgrund allen Seins und Liebens.

Ich wünsche uns allen einen guten, gesegneten,

von Liebe erfüllten Advent 2018!

Tag der Völker
32. Sonntag im Jahreskreis B

Sonntag, 11. November 2018

 

Einführung in die Lesung

 

      In der heutigen Lesung hören wir eine Erzählung von einem originellen Menschen, der vor 2850 Jahren in Israel gelebt und gewirkt hat: der Prophet Elija.
      Elija war eine besondere, vielschichtige Persönlichkeit. Er wagte dem herrschenden König zu widersprechen, er ging in einer Hungersnot weg von seiner Heimat Israel ins heidnische Phönizien, dem heutigen Libanon, nach Sarepta.
      Später hat Elija gekämpft mit blutiger Gewalt gegen die Baalspriester; daraufhin trachtet die Königin Isebel dem Propheten Elija nach dem Leben; und Elija fällt in eine katastrophale Depression.
      Durch helfende Zuwendung von einem hilfreichen Mitmenschen kommt Elija wieder zu Kräften; er durchwandert so die Wüste und gelangt zum Gottesberg Horeb, wo ihm tiefste Gotteserfahrung zuteil wird, und das nicht im Sturm, nicht im Feuer, sondern in „einer Stimme verschwebenden Schweigens“.
      Hören wir nun gut auf eine dieser dramatischen Elija-Erzählungen im Ersten Königsbuch!

 

 

Lesung aus dem ersten Buch der Könige 

 

      In jenen Tagen machte sich der Prophet Elija auf und ging nach Sarepta. Als er an das Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. Er bat sie: Bring mir in einem Gefäss ein wenig Wasser zum Trinken! Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: Bring mir auch einen Bissen Brot mit!
      Doch sie sagte: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts mehr vorrätig als eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf und gehe dann heim, um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten. Das wollen wir noch essen und dann sterben.
      Elija entgegnete ihr: Fürchte dich nicht! Geh heim und tu, was du gesagt hast. Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck und bring es zu mir heraus! Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten; denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der HERR wieder Regen auf den Erdboden sendet.
      Sie ging und tat, was Elija gesagt hatte. So hatte sie, er und ihr Haus viele Tage zu essen. Der Mehltopf wurde nicht leer und der Ölkrug versiegte nicht, wie der HERR durch Elija versprochen hatte. (1 Könige 17,10-16)

 

Lesung aus dem Evangelium nach Markus

      In jener Zeit, als Jesus im Termpel dem Opferkasten gegenübersass, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besass, ihren ganzen Lebensunterhalt. (Markus 12, 41-44)

 

 Predigtwort

Gastfreundschaft bringt Segen

      Die Elija-Erzählung in der Lesung und die einfühlsame Beobachtung Jesu im heutigen Abschnitt des Markusevangelium sind eindrücklich.
      Elija als junger Israelit geht ins heidnische Phönizien und trifft auf eine alleinerziehende Witwe, die in der damaligen Dürrezeit ihre letzte Nahrung vorbereitet für sich und ihren Sohn. Auf das Wort von Elija hin gibt sie dem Fremden von ihrer letzten Nahrung. Ihr Vertrauen auf GOTT und ihre Gastfreundschaft wurde wunderbar belohnt: sie hatte mit ihrem Sohn nun viele Tage zu essen.
      Intensiv zeigt so die Bibel eine Erfahrung, die man seit Abraham so formulieren kann: Vertrauen auf GOTT und Gastfreundschaft bringen Segen!
      Auf eine andere Art ergreifend ist die Erfahrung, die JESUS macht bei einem Besuch im Tempel: Jesus sieht da eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen in den Opferkasten wirft. Draussen erklärt Jesus seinen Jüngern: „Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten geworfen als alle andern“.
      Ich denke, es geht hier nicht darum, das Opfer der andern, der Besitzenden, der Reichen zu kritisieren. Es geht vielmehr darum, zu staunen über das Vertrauen und Engagement der armen Witwe, es geht um die Echtheit der Gesinnung und die Liebe zum leidenden Mitmenschen, die bei dieser Witwe sichtbar wird.
       Das Beispiel der armen Witwe provoziert uns moderne, unabhängig sein wollende Menschen von heute in besonderer Weise, weil es unserer Alltagslogik widerspricht. Jemand, der alles weggibt, macht sich verletzlich und abhängig. Wir  Schweizer sind da in besonderer Weise veranlagt, alle Risiken abzusichern, allen möglichen Schäden mit Versicherungen zuvorzukommen. Das ist ja nichts Böses und auch nichts Dummes.
      Trotzdem: Die letzte, entscheidende Versicherung ist nicht in der Lebensversicherung, nicht im Finanzinstitut; die letzte, entscheidende Versicherung ist im Vertrauen und in der Liebe zu GOTT und zu den Mitmenschen.
      Am heutigen Sonntag werden wir intensiv auf eine aktuelle Aufgabe hingewiesen: Die Schweizer Bischöfe ermutigen uns zusammen mit Papst Franziskus  am heutigen Sonntag der Völker, „Migranten und Flüchtlinge aufzunehmen, zu beschützen, zu fördern und zu integrieren“. In der heutigen Zeit von Millionen von Flüchtlingen und Migranten wird dieser Aufruf nicht überall gerne gehört. Die aktuelle Entwicklung, dass viele Flüchtlinge und Migranten bei uns Lebensmöglichkeit und Arbeit suchen, bewirkt auch Ängste in unserer Gesellschaft.
      Aber die Bereitschaft zu Hilfe aus der Not, zu Integration und zu Gemeinschaft gehört zu unserem christlichen Grundverständnis und somit auch zu unserem Beten in unserem Gottesdienst und zum Handeln im Alltag, so gut es eben geht.
      So können wir Mitmenschen in Not helfen: am Sonntag mit unserem Gebet und unserer Geldspende, und am Werktag auch mit unserem Verhalten gegenüber den Fremden und Zugezogenen in der Schule, am Arbeitsplatz, und im alltäglichen Leben im Dorf und in der Stadt.
      Und vergessen wir nicht: Zu all dem gibt es seit Abraham, also seit mehr als dreitausend Jahren die Erfahrung: 

 

Gastfreundschaft bringt Segen!

 

Fürbitten am Tag der Völker 2018

 

      Heute, am Sonntag der Völker, beten wir zu GOTT und denken an alle

Menschen aus den verschiedensten Völkern, Nationen und Religionen in

unserer Stadt Opfikon-Glattbrugg:

 

Kyrie eleison
(KG 70) 

  • Wir denken auch an alle, die wegen Krieg, Hunger, Unterdrückung oder Naturkatastrophen die Heimat verlassen müssen und Asyl suchen:  

Kyrie eleison

  • Bestürzt denken wir auch an unsere Vorfahren im Glauben, die Juden. Vor 80 Jahren, in der schrecklichen Progromnacht vom 10. November 1938, wurden in Deutschland von den Nationalsozialisten mehr als 1400 Synagogen niedergebrannt. Heute, in unseren Tagen, zeigt sich durch die abscheuliche Bluttat am 27. Oktober in einer Synagoge in Pittsburgh sogar in Amerika die schreckliche Fratze antisemitischen Hasses. Unfassbar!

Kyrie eleison 

  • Wir beten um Kraft zu echter Liebe im Zusammenleben mit den verschiedenen Religionen, Völker, Sprachen und Kulturen in unserer Schweiz und in der gesamten, globalisierten Welt: 

Kyrie eleison

 

Um all dies betend wir zu GOTT, dem Urgrund allen LEBENS, denn Sein ist das Reich und die Kraft, und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

 

 

 

Allerheiligen

1. November 2018

 

Lesung aus dem ersten Johannesbrief

      Schwestern und Brüder! Seht, wie gross die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heissen Kinder Gottes und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
      Liebe Brüder und Schwestern, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
      Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie ER heilig ist.

(1 Johannes 3,1-3)

 

 

Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus

      In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Er sagte:

         - Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

         - Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

         - Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land
           erben.

         - Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie
           werden satt werden.

         - Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

         - Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

         - Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne und Töchter
           Gottes genannt werden.

         - Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn
           ihnen gehört das Himmelreich.

         - Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt
           und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.

         Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird gross sein.

(Matthäus 5,1-12a)

 

 

Predigtwort

„Gemeinschaft der Heiligen“

      Vor zweieinhalb Wochen hat Papst Franziskus in Rom 3 Personen heilig und 4 selig gesprochen. Zwei dieser Personen sind uns besonders bekannt: Oscar Romero: Er wurde im Gottesdienst am Altar erschossen und ist so als Märtyrer gestorben. Dann Papst PAUL VI., der sog. Pillenpapst, der abgesehen von der bedauernswerten Entscheidung gegen die Empfängnisverhütung gut gewirkt hat im Sinne des Aggiornamento.

      Im Zusammenhang mit den vielen Heiligsprechungen in den letzten 40 Jahren können wir uns am Fest Allerheiligen auch mal ernsthaft fragen: Was ist ein Heiliger, eine Heilige? Die klassische Antwort ist: Eine Heilige, ein Heiliger ist eine Person, die vom Volk verehrt wird, die vom Papst heilig gesprochen wurde und von der wir glauben, dass sie im Himmel ist. 

      Das stimmt alles. Aber es gibt noch etwas Tieferes, Wesentlicheres. Heilige sind Menschen, die durch ihr Lebensschicksal und ihr Charisma, durch ihr Sein und Wirken auf GOTT verweisen; Heilige sind wie bunte Glasfenster, die etwas vom farbigen göttlichen Licht erkennen lassen.

      Was bedeutet im Sinne der Bibel „heilig sein“? Im Ersten Testament, werden die Israeliten oftmals aufgefordert: „Heilig sollt ihr mir sein, denn heilig bin ich, ADONAI, euer Gott“.

      Und im Neuen Testament begrüsst Paulus die Christen in Korinth, in Rom, in Philippi als „berufene Heilige“, als die, die „von Gott geliebt sind“. 

      Heilig sein bedeutet demnach: im Bereich Gottes sein, von Gott geliebt sein. Wer offen ist für diese Liebe Gottes, wer in Beziehung ist mit dem Urgrund des Lebens, mit GOTT, der ist „heilig“. Gemäss der Bibel geht es nicht um heroische Spitzenleistung und vollkommene Tugendhaftigkeit, sondern es geht vielmehr darum, offen zu sein auf GOTT, offen zu sein auf den Anruf, mit dem die Lebenssituation uns fordert, und empfänglich zu sein auf die Kraft GOTTES in der Situation.

      Die Heiligen, die wir  ehren, hatten auch Fehler und Schwächen. Aber sie haben ja gesagt zu ihrem Sein und ihrer Lebenssituation und sie haben in Beziehung zu Gott gelebt. So sind sie für uns Zeichen der Hoffnung.

      Heilige sind in einem gewissen Sinne Bilder, durch die wir uns klarer erkennen. Sie geben uns Mut, uns bedingungslos anzunehmen, nicht nur mit unseren Schattenseiten, sondern auch mit den Fähigkeiten und Möglichkeiten, die in uns stecken. Sie inspirieren uns, den eigenen Talenten und der inneren Sehnsucht zu folgen.

      Wir alle kennen wohl Menschen, von denen man sagen kann: das ist eine Heilige, ein Heiliger! Nicht im Sinne der vom Papst offiziell Heiliggesprochenen, sondern im Sinne von Heiligen des Alltags. Vielleicht sind das die wichtigsten Heiligen.

      Am Fest Allerheiligen verbinden wir uns in Gedanken mit der grossen Zahl von Menschen, in deren Leben etwas von der Liebe GOTTES sichtbar geworden ist. Vereint mit diesen heiligen Menschen sind wir nicht mehr ein verlorenes kleines Häufchen an Gott glaubender Menschen. Nein, wir sind hineingenommen in eine grosse Schar Glaubender, Vertrauender auf GOTT.

      Das Fest Allerheiligen macht ernst mit dem Satz aus dem christlichen Glaubensbekenntnis, wo wir bekennen: Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen. Diese Gemeinschaft besteht, wie gesagt, nicht nur aus den offiziell heilig gesprochenen Menschen.Mit dem Bekenntnis „Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen“drücken wir aus, dass wir Teil sind einer grossen Bewegung, eines grossen Stromes, der sich durch die Geschichte zieht. Solches gemeinsames Glauben und Vertrauen kann heilsam und entlastend sein.

      Heilig sein bedeutet nach der Bibel also: Im Bereich GOTTES sein. Das Fest Allerheiligen will jedes Jahr wieder die Sehnsucht, die Hoffnung und Beziehung zu dieser grossen Gemeinschaft der Glaubenden ins Bewusstsein rufen und stärken.

      Allerheiligen ist das schöne und sinnvolle Fest, an dem wir uns innig erinnern an viele heilige Menschen: Menschen, die jetzt mit uns auf dieser Erde leben und Menschen, die bereits in die Ewigkeit heimgegangen sind.

      Das Fest Allerheiligen sagt uns: Ich bin nicht allein! Ich bin nicht verloren und verlassen! Ich bin heilig, das heisst: ich bin im Bereich Gottes! Ich bin Teil der grossen Gemeinschaft auf GOTT vertrauender Menschen!

Ich verstehe vielleicht vieles nicht,

was heute vorgeht in der Welt,

ich verstehe vielleicht auch nicht, was mit mir passiert,

dennoch bin ich im göttlichen Bereich,

getragen vom Urgrund der Liebe GOTTES.

* * *

 

         Wir alle haben wohl im Laufe unseres Lebens Menschen erlebt, die wir innerlich schätzen und die nach unserer Ansicht menschlich heilig waren und uns vielleicht zum Vorbild geworden sind. Ob lebend oder gestorben, diese verehrten oder geliebten Menschen gehören für uns zur grossen Gemeinschaft aller Heiligen. Während dem Orgelspiel haben wir nun die gute Gelegenheit, an diese Menschen liebend zu denken.