GOTT - Bibel - Welt

Gedanken zur Zeit

 

 Religion als Ressource für ein neues „Wir“

      Zum 1. August 2014 hat der Interreligiöse Think-Tank - als Think Tank,Denkfabrik, werden Institute bezeichnet, die sich durch Erforschung und Entwicklung für die wirtschaftliche, gesellschaftliche und religiös-ethische Zukunft engagieren -  eine Vision von einer anderen Schweiz entworfen, in der auch ausführlich der Beitrag der Religionen dazu thematisiert wird. Nachfolgend ein Ausschnitt aus diesen Überlegungen (ganzer Text abrufbar auf der Homepage www.interrelthintank.ch).

     Der Beitrag, den Religion(en) zu diesem neuen „Wir“ leisten können, bedingt ein Verständnis von Religion, das nicht allein von Kultus und Tradition lebt, sondern sich vielmehr an den grossen ethischen Richtlinien wie Gerechtigkeit, Verantwortung, Mitmenschlichkeit und Sorge für die Schwachen orientiert.
      Religion, wie wir sie verstehen, steht nicht im Widerspruch zur menschlichen Vernunft, sondern baut gerade darauf auf. Vernunftgeprägte Meinungsfindungen unter Einbezug religiös-ethischer Grundsätze lassen demokratische Entscheide zustande kommen, die von tiefen humanen Werten getragen sind und zu einem solidarischen „Wir“ beitragen. Religion in diesem Sinne soll und kann in einer Schweiz der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Für Hardliner und Fundamentalisten, religiöse wie nicht-religiöse, die ihre hegemonialen und normativen Ansprüche pauschal durchsetzen wollen und aus der Angst der Menschen politisches Kapital schlagen, wird es in dieser Schweiz keinen Zuspruch geben.
      Religion, wie wir sie hier meinen, lehrt die Menschen im Innersten zu vertrauen, weil sie sich verankert wissen in einem unbedingten Horizont, so dass sie nicht Angst zu haben brauchen und nicht in Abwehrreflexe verfallen.
      Sie lehrt den Wert materiellen Reichtums zu relativieren, mehr zu geben und weniger zu nehmen und dabei zu erfahren, dass weniger Konsum nicht weniger Lebensqualität heisst.
      Sie lehrt die Menschen einen Wettstreit im Guten zu veranstalten statt über Wahrheitsansprüche zu streiten.
      Sie lehrt Demut, die uns als Menschen davor bewahrt, uns zu überschätzen und Zustände zu schaffen, die uns überfordern.
      Sie lehrt Bescheidenheit, Fairness und Aufrichtigkeit – Tugenden, die für unser Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit im Alltag wesentlich sind und echte menschliche Gemeinschaft erst ermöglichen.
      Sie lehrt die Gleichheit der Menschen und setzt sich für ein menschenwürdiges Leben aller ein.
      Sie lehrt, den Flüchtling, den Fremden in Obhut zu nehmen, denn wir alle könnten selbst zu Flüchtlingen werden.
      Sie lehrt, dass der wahre Wert des Menschen nicht von seinem Besitzstand, seiner Herkunft, Familiengrösse oder von seinem Rang in der Gesellschaft abhängt, sondern von seiner Aufrichtigkeit, seiner Grosszügigkeit, seiner Milde und seinem ethischen Verhalten im Grossen wie im Kleinen, als Privatperson wie im Amt.
      Religion in diesem Sinnträgt zu einem Leben in Würde und Gerechtigkeit, zu umfassendem Respekt und zu gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.