St. Annakirche

Predigt Gedanken

4. Fastensonntag im Jahreskreis C - Laetare

Samstag / Sonntag
30. / 31. März 2019

 

 

Einführung in Lesung, Bild und Evangelium

      Die Lesung am heutigen Laetare-Sonntag bringt ein wichtiges Wort des Völkerapostel Paulus an die christliche Glaubensgemeinde in Korinth: Paulus schreibt da: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Lasst euch mit GOTT versöhnen!

      Und das heutige Evangelium verkündet uns die Frohe Botschaft vom Wunder der Heimkehr. Kaum ein Künstler hat diese Botschaft so eindrücklich in einem Bild dargestellt wie Rembrandt van Rijn im17. Jahrhundert.Die Rückkehr des verlorenen Sohnes ist eines der bekanntesten Gemälde von Rembrandt.

      Das Bild da vorn ist selbstverständlich kein Original, sondern eine Kopie. Vor rund 35 Jahren hat uns Irmina Elber dieses Bild geschenkt. Das Beichtzimmer in unserer Kirche wird seitdem durch dieses Bild erhellt und „erwärmt“.

      Hören wir nun gut auf Lesung und Evangelium!

 

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde in Korinth

(2. Korintherbrief 5,17-21)

 

      Schwestern und Brüder! Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

      Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. 

      Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat.

      Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! 

      Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.

 

Lesung aus dem Evangelium nach Lukas

(Lukas 15,1-3.11-32)

 

      In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen. 

      Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne.

      Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht! Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf.

      Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.

      Als er alles durchgebracht hatte, kam eine grosse Hungersnot über jenes Land und er begann Not zu leiden.

      Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.

      Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine frassen; aber niemand gab ihm davon.

      Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um.

      Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.

      Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!

      Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

      Da sagte der Sohn zu ihm: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündig; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.

      Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füsse!

      Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir sollen essen und fröhlich sein.

      Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein Fest zu feiern.

      Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.

      Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.

      Der Knecht antwortete ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederbekommen hat.

      Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.

      Doch er erwiderte seinem Vater: Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot übertreten; mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.

      Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.

      Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein.
      Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen; denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

 

Predigtwort

Das Wunder der Heimkehr

      Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, das wir eben gehört haben, ist wohl für viele von uns das bekannteste Gleichnis. Weniger bekannt aber ist die Erfahrung, dass man in diesem so bekannten Gleichnis immer wieder Neues entdecken kann.

      Das beginnt schon beim Titel „Gleichnis vom verlorenen Sohn“. Ist denn der ältere Sohn, der daheim geblieben ist, nicht ebenso wichtig? Mit ihm muss sich der Vater am intensivsten auseinandersetzen. Aber der Sohn, der von daheim weggegangen ist, wird vom Vater wortlos in die Arme genommen, ja der Vater veranlasst, dass ein grosses Fest gefeiert wird. Der ältere Sohn jedoch, der immer daheim geblieben ist, lebt jetzt mit einem schweren persönlichen Problem. 

      Wer ist in diesem Gleichnis wirklich die Hauptfigur? Ist es der Vater, der alles zusammenhält? Viele Bibelleser denken so und nennen die Erzählung „Gleichnis vom barmherzigen Vater“. 

      Wir wissen allerdings nicht, ob der Vater mit seiner Bitte beim älteren Sohn Gehör gefunden hat. Auch der Vater steht also ziemlich verloren da. Man hat darum die Erzählung auch schon „Gleichnis vom Verlorenen“ genannt oder „Das Wunder der Heimkehr“.

      Betrachten wir nun die drei Personen im Gleichnis etwas näher und genauer!

      Der jüngere Sohn hat sich sein Erbteil auszahlen lassen und ist weggezogen. Durch ein zügelloses Leben verprasst er sein Erbe, muss Hunger leiden und sich als Schweinehüter verdingen. Nun geht er in sich und will heimkehren zum Vater. Nicht Reue und nicht Sehnsucht nach dem Vater treiben ihn, sondern der Hunger. Also ganz leibhaftige, konkrete Erfahrungen treiben ihn an.

      Wir lernen daraus: konkrete Ereignisse in unserem persönlichen Leben können Anregung sein zum Nachdenken, zu Umkehr, zu neuer Art zu leben, zu neuem Lebenssinn.

      Ungewöhnlich ist nun aber, wie dieser Vater seinem zurückgekehrten Sohn begegnet. Er macht ihm keine Vorwürfe; stellt auch keine Fragen nach dem Warum. Dieser Vater nimmt den heimgekehrten Sohn in die Arme und setzt ihn wieder in die Würde des Sohnes ein. Der Vater beschönigt auch nicht mit Worten wie etwa: „Ist doch nicht so schlimm, das kann jedem mal passieren! 

      Die Botschaft des Vaters, die wir aus diesem Tun erkennen, lautet: „Der Vater ist ganz und gar dafür seinen Sohn. Für uns übersetzt heisst das: GOTT ist ganz und gar da für unsere Umkehr, für unsere Heimkehr. 

      Durch die Liebe GOTTES geborgen und getragen zu sein  ist eine wunderbare Erfahrung. Genau diese Liebe und Geborgenheit kommt auch im Bild von Rembrandt sehr intensiv zum Ausdruck.

      Der ältere Sohn, der daheim geblieben und im väterlichen Gut engagiert ist, reagiert anders als der Vater. Nicht weil er neidisch oder selbstgerecht oder lieblos wäre. Er fühlt sich einfach ungerecht behandelt. Jeden Tag war er pünktlich bei der Arbeit. Ohne Widerrede tat er, was zu tun war. Unentwegt hat er den Karren gezogen, aber nie ist das auf besondere Weise anerkannt worden. Und nun wird der Jüngere wieder in die Rechte eines Sohnes eingesetzt, wo er doch sein Erbteil bereits ausbezahlt bekommen hat. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

      Der Vater muss sich gegenüber dem daheim gebliebenen Sohn rechtfertigen. Dabei macht dieser Sohn eine überraschende Erfahrung: Der Vater pocht nicht auf seine Autorität und macht keine Vorwürfe. Der Vater hat als Erklärung „nur“ seine Liebe: „Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein...“ 

      Die Botschaft des Vaters für den daheim gebliebenen, älteren Sohn ist eine liebende Bitte: Dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden. Komm doch bitte und feiere mit uns!

      Dieser Vater gibt beiden Söhne zu denken. Er erweist sich beiden gegenüber als liebender Vater:

      Dem jüngeren Sohn vergibt er: - zur Liebe gehört, dass sie vergibt. 

      Den älteren Sohn bittet er: - zur Liebe gehört, dass sie bittet.

 

      Hat der ältere Sohn schliesslich doch am Fest teilgenommen? Das Gleichnis gibt uns darüber keine Auskunft. Am Ende des Gleichnisses steht schlicht die liebende Bitte des Vaters: „Dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden. Komm doch bitte und feiere mit uns!“

 

Diese Bitte des Vaters, macht betroffen. 

Immer bleibt in unserem Herzen

GOTTES liebende Bitte 

am Fest teilzunehmen.

Welch wunderbares Gottesbild!!

Keine Angstmacherei!

Vielmehr: 

ein Wunder der Heimkehr!

 

Hans Schwegler

 

 

 

 

 

 

1. Fastensonntag im Jahreskreis C

Samstag / Sonntag
9. / 10. März 2019
 

Einführung in die Lesung 

      Die heutige Lesung am 1. Fastensonntag ist aus dem Buch Deuteronomium. Die Endfassung dieses Buches stammt aus der Zeit nach dem babylonischen Exil, also etwa um 500 vor Christus. Darin finden sich ganz wichtige Erfahrungen aus dem Leben und religiösen Glauben der Juden und über 500 Jahre später dann auch in der religiösen Glaubensauffassung der Christen.

      Solch menschlich-religiösen Erfahrung lebt und wirkt in der Erinnerung.

Im Erinnern liegt Kraft zu wachsen und die Gegenwart zu gestalten. Erinnerung prägt die Geschichte des jüdischen Volkes; Erinnerung prägt auch die Geschichte der christlichen Gemeinschaft Kirche. Feste und Festzeiten des Kirchenjahres sind Wegmarken des Erinnerns.

      Jede Generation musste und muss sich neu ihren Zugang zum Glauben und Gottvertrauen öffnen; jede Generation muss ihren Weg mit GOTT zu ihrer eigenen Gegenwart machen. Davon berichtet und zeugt die heutige Lesung.

Hören wir gut!

 

Lesung aus dem Buch Deuteronomium

(Dtn 26,4-10)

 

      In jenen Tagen sprach Mose zum Volk: Wenn du die ersten Erträge von den Früchten des Landes darbringst, dann soll der Priester den Korb aus deiner Hand entgegennehmen und ihn vor den Altar des HERRN, deines GOTTES, stellen.

      Du aber sollst vor dem HERRN, deinem G OTT, folgendes Bekenntnis ablegen: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem grossen, mächtigen und zahlreichen Volk.

      Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrien zum HERRN, dem GOTT unserer Väter, und der HERR hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis.

      Der HERR führte uns mit starker Hand und hoch erhobenem Arm, unter grossem Schrecken, unter Zeichen und Wundern aus Ägypten, er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land, ein Land, wo Milch und Honig fliessen.

      Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge von den Früchten des Landes, das du mir gegeben hast, HERR. 

      Wenn du den Korb vor den HERRN, deinen GOTT, gestellt hast, sollst du dich vor dem HERRN, deinem GOTT, niederwerfen.

 

Lesung aus dem Evangelium nach Lukas

(Lukas 4,1-13)

 

      In jener Zeit kehrte JESUS, erfüllt von heiligem Geist, vom Jordan zurück. Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt, vierzig Tage lang, und er wurde vom Teufel versucht. In jenen Tagen ass er nichts; als sie aber vorüber waren, hungerte ihn.

      Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du GOTTES Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. JESUS antwortete ihm: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

      Da führte ihn der Teufel hinauf und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. JESUS antwortete ihm: Es steht geschrieben: Vor dem HERRN, deinem GOTT, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.

      Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du GOTTES Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es steht geschrieben: Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuss nicht an einen Stein stösst. Da antwortete ihm JESUS: Es ist gesagt: Du sollst den HERRN, deinen GOTT, nicht auf die Probe stellen.

      Nach diesen Versuchungen liess der Teufel bis zur bestimmten Zeit von ihm ab.

 

Predigtwort

Wie heute sinnvoll fasten? 

      Christlich Leben bedeutet im Sinn und Geist JESU leben. Oder etwas bildhafter ausgedrückt: In der Spur JESU CHRISTI leben. JESUS ist unser grundlegendes Vorbild, unser Meister und Freund.

      Nun berichten uns die Evangelien, dass JESUS nach der Begegnung mit Johannes dem Täufer am Jordan „vom Geist vierzig Tage lang in die Wüste getrieben wurde“.

      In der Wüste leben ist ein Reduzieren des Lebens auf das Wesentliche, ist ein Zu-sich-selbst-Kommen; in der Wüste leben ist auch Begegnung mit unserer ursprünglichen Erde aus Sand und Felsen, mit Pflanzen und Tieren; in der Wüste leben ist auch unverstellte Begegnung mit Sonne, Mond und Sterne am Himmel. Es macht zutiefst betroffen, wenn man im Glanz der Sonne die Sandwüste durchschreitet und in der Nacht unter dem unendlichen Sternenhimmel schläft.

      Gemäss den Evangelien hat JESUS also vor seinem öffentlichen Auftreten vierzigtägige Exerzitien durchlebt mit Fasten, Verzichten, Nachdenken, Beten und Vertrauen.

      Die Zahl „Vierzig“  erinnert an die vierzig Jahre, welche die Israeliten nach der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens in der Wüste durchlebt haben; erinnert auch an die vierzig Tage, die Moses auf dem Berg in intensiver Gotteserfahrung verbracht hat.

      Das Fasten JESU und seine vierzig Tage in der Wüste sind uns Christen zum Vorbild geworden für die 40 Tage Fastenzeit als Vorbereitung auf unser Hauptfest Ostern.

 

      Nun aber hat sich seit der Zeit JESU vor zweitausend Jahren vieles verändert in unserer Welt und unserer Lebensweise. Es ist darum nützlich zu überlegen: Wie heute sinnvoll fasten?

      Wer von fasten spricht denkt unwillkürlich ans Essen und Trinken. Dabei kann man aus verschiedenen Gründen fasten.

      Zunächst einmal können wir fasten um an Gewicht abzunehmen und unsere Statur zu verschönern. Wir können  fasten zum Ertüchtigen unserer körperlichen Beweglichkeit. Wir können fasten zum Stärken unserer geistigen und spirituellen Fitness, indem wir beispielsweise in der Fastenzeit keinen Alkohol trinken oder an gewissen Tagen kein Fleisch essen.

      Vielleicht ist dieses aus der christlichen Tradition bekannte körperliche Fasten heute bei uns nicht besonders vordringlich und nötig. Die meisten von uns sind gewohnt, besonnen und gesund zu essen und zu trinken.

      Was uns heute jedoch oftmals fehlt ist die innere Ruhe. Durch die vielfältigen Medien wie Presse, Radio, Fernsehen und Handy, wie auch durch vielfältige Veranstaltungen mit Kino, Theater, Musik, Kunst, Sport, Mode sind wir seelisch in Anspruch genommen und zum Teil auch gestresst. Es fehlt uns an innerer Ruhe und Besinnlichkeit. Hier kann geistiges, seelisches Fasten hilfreich sein. 

      Eine besondere Art von modernem Fasten scheint mir heute zu sein, wenn wir den Sonntag als den besonderen Tag der Woche herausnehmen aus dem Stress und dem Räderwerk von  Computer, Handy und Alltagsrummel. Den Sonntag frei machen für persönliche Begegnung mit Mitmenschen, mit sich selbst und mit GOTT. 

      Durch solche Art Fasten können wir neue Lebensqualität erfahren. Solches Fasten will geübt sein, so wie man früher das körperliche Fasten geübt hat. 

      Zur Übung und zum Training gehört auch, dass wir uns am Morgen etwas vornehmen und am Abend fragen: Wie ist heute gegangen und uns dann freuen über schöne Begegnungen und Momente der Freude und des Erstaunens. Und da gilt intensiv die Erfahrung, die wir bestens vom Sport her kennen: Persönlich Sport treiben ist wirksamer als Sport anschauen am Fernseher!

      Eine besondere Art von Fasten ist auch das Achtsam-sein gegenüber Zerstörungsfaktoren unserer heutigen Welt. Konkret: Wie kann ich mithelfen, die Umwelt zu schonen?         

      Durch meine Art mit Energie wie: Benzin, Öl, Elektrizität umzugehen! Durch meine Art zu reisen! Durch meinen schonenden Verbrauch von Plastic und Kunststoffen! 

      Es ist zwar klar, was wir hier an Positivem tun können, sind nur winzige Tröpfchen gegenüber einem Meer von Gefahren für unsere Mitwelt! Aber wenn wir dies nicht tun, ist das Gefahrenmeer um diese Tröpfchen zu gross. 

      Sich-Enthalten von Schädlichem ist die eine Seite des Fastens. Solcher Verzicht stärkt auch unser Selbstwertgefühl. Und wer Verzicht üben kann, hat dauerhaft mehr vom Leben.

      Die andere Seite vom Fasten ist das Hervorbringen und Bewirken von Gutem, Hilfreichem. 

      Zu Ruhe und zu sich selbst kommen, beten, echt Menschen begegnen, Not leidenden Menschen helfen, Hilfswerke wie Fastenopfer oder Caritas unterstützen, sowie schonendes Verhalten gegenüber der Umwelt bewirken Gutes, Hilfreiches.

      Es ist klar: Niemand von uns kann alles Gesagte und Gewünschte verwirklichen. Aber jeder und jede von uns kann gemäss dem eigenen Talent und Charisma zu einem friedvollen, erfüllten Leben auf dieser Welt beitragen.

      Vor 2'500 Jahren hat der Prophet Trito-Jesaja eine besondere Art von Fasten verkündet. Er sagte damals im Namen GOTTES: “Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: Die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen? Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen?
(Jes 58,6-8)

 

Dieses Prophetenwort hat auch für uns heute noch Bedeutung.

In den 40 Tagen auf Ostern hin ist uns Zeit geschenkt,

etwas Persönliches gemäss unserem Charisma zu tun.

Mit Gottes Lebenskraft wird daraus auch in uns

neues Leben erstehen.

Wenn das geschieht, ist in uns Ostern geworden.

 

Hans Schwegler

 

 

 

 

6. Sonntag im Jahreskreis C

Samstag / Sonntag
16. / 17. Februar 2019

 

Einführung in die Lesung 

      Obwohl vor rund 1950 Jahren geschrieben, sind die Lesungstexte am heutigen Sonntag sowohl aus dem ersten Korintherbrief wie auch aus dem Lukasevangelium sehr aktuell. Es lohnt sich, gut hinzuhören und achtsam nachzudenken!

 

Lesung aus dem ersten Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth

(1 Kor 15,12.16-20)

 

      Schwestern und Brüder! Wenn aber verkündet wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?

      Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden.

      Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.

      Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.

      Nun aber  i s t  Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.

 

Lesung aus dem Evangelium nach Lukas

(Lukas 6,17.20-26)

      In jener Zeit stieg Jesus mit den Zwölf den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer grossen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon waren gekommen.

      Jesus richtete seine Augen auf sein Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.

      Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden.

      Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.

      Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstossen und schmähen und euren Namen in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.

      Freut euch und jauchzt an jenem Tag; denn siehe, euer Lohn im Himmel wird gross sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.

      Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen.

      Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern.

      Weh, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.

      Weh, wenn euch alle Menschen loben. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

 

Predigtwort

Auferstehung der Toten und Glauben in Bedrängnis

 

Liebe Christinnen und Christen!

      Schon eine Generation nach dem Tod Jesu, gab es in der christlichen Glaubensgemeinde in Korinth einige Christen, die sagten: „Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht!“

      Paulus, der stark mit der kleinen Gemeinschaft von Christen in Korinth verbunden war, reagierte auf diese Aussage klar und eindeutig mit seiner eigenen Erfahrung. Er selbst hat nämlich persönlich erfahren, dass JESUS, der am Schandpfahl des Kreuzes gestorben ist, als Wirkungskraft nach seinem Tod das Leben des Paulus völlig neu gestaltet und lebendig gemacht hat.

      Die Beziehung mit dem verstorbenen und wirkkräftig gewordenen JESUS CHRISTUS hat sich für Paulus und die Apostel und Apostelinnen als eine Geisteskraft erwiesen, die als wunderbare Auferstehung erfahren wurde.

      Das war die Erfahrung damals vor 1950 Jahren. Wie ist es heute bei uns?

      In unserer modernen Zeit leben wir in Europa in einer Welt, in der Viele sagen: „Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht.“ 

Vor über  100 Jahren schon hat Friedrich Nietzsche verkündet: Gott ist tot! Es gibt keinen Gott; also gibt es auch keine Ewigkeit.

      In unserer modernen, wissenschaftlich und technisch sehr weit entwickelten Gesellschaft, lebt es sich heute vielfach so, als ob es kein Jenseits und keine Transzendenz gäbe. 

      Nun ist aber interessant, dass der gleiche Philosoph Friedrich Nietzschein einem berühmten Gedicht die Erfahrung von Ewigkeit ausspricht. Das Gedicht ist in Stein gemeisselt auf der romantischen Halbinsel Chastéam Silsersee. Es heisst da:

 

Oh Mensch! Gieb acht! 

Was spricht die tiefe Mitternacht?

„Ich schlief, ich schlief -,

Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -

Die Welt ist tief,

Und tiefer als der Tag gedacht.

Tief ist ihr Weh -,

Lust - tiefer noch als Herzeleid:

Weh spricht vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit -,

Will tiefe, tiefe Ewigkeit

 

Das heisst doch, der Mensch macht die Erfahrung von Sehnsucht nach Ewigkeit, nach Transzendenz, nach etwas, das unseren weltlichen Horizont weit übersteigt.
      Seit den Aposteln und Apostolinnen, seit Paulus und all die Jahrhunderte bis heute, haben viele, viele Menschen in der Liebe zu JESUS CHRISTUS Sinn erfahren: Heil, Rettung, Ewigkeit. So sehr, dass sie in vollstem Vertrauen leben und mit Paulus bekennen konnten: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in CHRISTUS JESUS ist.“
      Solch grundlegendes Vertrauen bekundet auch der schlichte Satz: „In GOTT hineinsterben heisst Auferstehung.“
      Nun noch ein Wort zum Evangelium!

Das heutige Evangelium spricht von Seligkeiten, von echtem innerem Glück trotz Schwierigkeiten und Nöten in unserer weltlichen Gesellschaft.
     D
en Armen verspricht JESUS das Reich GOTTES, den Hungernden sättigende Speise und den Weinenden Lachen und Freude.
     
Und da kommt ein Satz, der mich zunächst befremdet: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstossen und schmähen und euren Namen  in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.“
     
Da mussten wir in den letzten Monaten, Wochen und Tagen etwas erfahren, das traurig, schlimm und unfassbar ist:
     
Der Kindsmissbrauch von katholischen Priestern in vielen Ländern unserer Welt. Es ist in erster Linie schlimm und unfassbar für das Leben dieser Kinder.
     
Es ist aber auch schlimm und unfassbar für die katholische Kirche als Glaubensgemeinschaft. Durch diese Vorfälle geschieht in der Öffentlichkeit Enttäuschung, Entrüstung, Abscheu und Verachtung des christlichen Glaubens und der katholischen Tradition. Das tut heute besonders weh, ist doch der christliche Glaube vielfach gefährdet und geschmäht in unserer heutigen säkularisierten Welt.
     
Und da steht nun der Satz im Evangelium: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstossen und schmähen und euren Namen  in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.“
     
In einer Situation des Wohlstands, aber in einer seelisch eher  dürftigen Zeit, kann dieser Satz des Evangeliums für uns Trost und Ermutigung sein:
     
Ermutigung, unsere Berufung als Christen zu leben, d.h. vertrauend auf GOTTES Liebe und Treue.

Gemäss dem Evangelium ist es wunderbar, 

glaubender Christ, gläubige Christin zu sein 

und mit Kopf, Herz und Hand 

in der Spur JESU CHRISTI zu wirken und zu leben.

 

Mögen wir doch zu solch echt christlichem Vertrauen

gestärkt und ermutigt werden

durch das Evangelium,

durch unser gemeinsames Beten und Feiern,

und durch unsere je persönliche Lebenserfahrung!!!

 

Hans Schwegler

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