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12. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag 21. Juni 2020

 

Einführung in die Lesung

 

      Die Liturgie vom heutigen Sonntag bringt eine kurze Lesung aus dem Prophetenbuch Jeremia.
      Der Prophet Jeremia stammt aus Anatot, einem Ort 6 km nordwestlich von Jerusalem. Jeremia war Priestersohn und wirkte von ca. 628 – 586 vor Christus. Jeremia trat als wortgewaltiger Prophet auf gegen die damalige unsoziale Politik. Auf das hin wurde er durch Bespitzelung verfolgt und entging hinterlistigen Mordversuchen.
      Unter Aufsicht des Priesters Paschur wurde Jeremia ausgepeitscht und in den Block gespannt. Schliesslich wurde er in eine halbausgetrocknete Zisterne geworfen und verdankte seine Rettung einem ausländischen Hofbeamten.
      Später wurde Jeremia nach Ägypten verschleppt. Vom weiteren Schicksal Jeremias ist nichts bekannt.
      Die heutige Lesung bringt nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus dem vielfältigen Geschehen, Wirken, Erleiden, Hoffen und Vertrauen vom Propheten Jeremia.
      Hören wir gut!

 

Lesung aus dem Buch Jeremia
(Jeremia 20,10-13)

 

      Jeremia sprach: Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze. Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.
      Doch der HERR steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach.
      Aber der HERR der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
      Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.

 

  

 

Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus
(Matthäus 10,26-33)

 

      In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!
      Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!
      Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
      Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. 

 

Predigtwort
„Fürchtet euch nicht!“

 

      Meine Lieben!
      Dreimal spricht das heutige Evangelium uns zu Herzen: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“ – „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können!“ – „Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.“
      Was kann diese Aufforderung JESU bedeuten für uns heute in einer Zeit der Corona-Pandemie, in einer Zeit von so beträchtlichen Umbrüchen durch Digitalisierung, Globalisierung und Klimawandel, in unserer Welt von Naturwissenschaft und Technik?
      Zunächst einmal: Die Aufforderung „Sich nicht zu fürchten“ bedeutet keinesfalls, dass wir uns nicht schützen sollen mit Naturwissenschaft, Medizin, Technik und natürlichem gesundem Verhalten. Es ist ganz klar: wir sollen all diese Möglichkeiten mit gesundem Menschenverstand für uns anwenden.
      Der Ruf JESU „Fürchtet euch nicht!“ gilt aber auch inmitten von solch modernem verantwortungsvollem Selbstverhalten.
      Die heutige Lesung aus dem Prophetenbuch Jeremia bringt ein konkretes Beispiel aus der frühen Geschichte Israels. Jeremia hat eine ganz eigene Lebens- und Glaubensgeschichte. Wie er mit GOTT redet ist beeindruckend. Bei ihm findet sich nicht das harmlos anmutende Bild vom lieben GOTT, auch nicht das einseitige Bild vom Allmächtigen, der alles kann, wenn er nur will.
      Jeremia klagt intensiv, dass GOTTES Wort ihm den ganzen Tag nur Spott und Hohn einbringt. Er erfährt offensichtlich nicht viel von der schützenden Nähe GOTTES. Umso überraschender ist es, dass er zwischendurch ein Loblied anstimmt auf diesen GOTT:
„Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter!“. Sein Glaube  findet statt zwischen zähem Festhalten an GOTT einerseits und dem Erdulden finsterer Gottverlassenheit andererseits.
      Jeremia spiegelt wider, was Menschen auch heute erleben. Es gibt auch heute Menschen, deren Leben von Scheitern, Anfeindung, Hass, Schmerzen und Leiden zutiefst verdunkelt wird und so Angst und Furcht erzeugt.
      Jeremia kann auch heute Vorbild sein für Menschen, in deren Leben kein Sonnenstrahl zu finden ist und die trotzdem an GOTT festhalten. Seine Lebensgeschichte regt an, inmitten von allem Schweren, nicht zu verzweifeln, sondern im Vertrauen an  GOTT festzuhalten.
      JESUS ermutigt im Evangelium: Fürchtet euch nicht  vor denen, die den Leib töten können! Fürchtet euch vor dem, was eure Seele zerstören kann! Wer nämlich seine Seele verliert, der verliert das Vertrauen auf den gütigen Vater im Himmel, auf  das Gottvertrauen, das ihn aus der Angst vor Tod und Untergang retten kann.
       Gesundheit, Familie, Arbeit, Erfolg, Anerkennung, Freundschaften, Sympathie sind wichtig und bedeuten viel für unser Leben. Und wir haben gerade in den letzten Wochen der Corona-Pandemie wieder erfahren, wie bedeutungsvoll diese  menschlichen Erfahrungen sind. Sie sind aber nicht das Entscheidendste, nicht das Wichtigste.

      Es gibt noch eine grundlegendere, wesentlichere Erfahrung in unserem menschlichen Leben: das Vertrauen, die Hoffnung und Liebe zum grossen DU, das Vertrauen auf den Urgrund allen Seins, unser Vertrauen auf GOTT.
      Wir fallen nicht ins bodenlose Dunkel, sondern wir fallen trotz allem Leiden in GOTTES Hand. Wie das Kirchenlied so schön formuliert: 

 

Du kannst nicht tiefer fallen als nur in GOTTES Hand,
die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.

 

      Ich möchte schliessen mit einem Gedicht. Rainer Maria Rilke hat die menschlichen Erfahrungen, die wir eben besprochen haben, tiefsinnig und einzig schön in Sprache gebracht, indem er sagt:

                            Du darfst nicht warten
                           bis GOTT zu dir geht
                           und sagt: ICH BIN.
                           Ein GOTT, der seine Stärke eingesteht,
                           hat keinen Sinn.

 

                           Du musst wissen,
                           dass GOTT dich durchweht seit Anbeginn.

                           Und wenn dein Herz dir glüht
                           und nichts verrät,
                           dann schafft ER drin. 

 

                           Nur manchmal,
                           während wir so schmerzhaft reifen,
                           dass wir daran schon fast zerbrechen,
                           formt sich aus all dem,
                           was wir nicht begreifen
                           ein ANGESICHT
                           und sieht uns strahlend an.
                          (Rainer Maria Rilke)

 




Pfingsten 2020

Samstag / Sonntag
30. / 31. Mai 2020

Dass wir heute miteinander zum Pfingstfest Gottesdienst feiern können ist für uns eine Freude! Denn wir leben in einer eigenartig schwierigen Zeit. Mitten in den aufwühlenden Tagen der Corona-Krise war das Osterfest und nun 50 Tage danach das Pfingstfest. Die einschlägigen Verordnungen und Regeln haben tief in unser privates, gesellschaftliches und kirchliches Leben eingegriffen. 

 

Einführung in die Lesungen

 

      Wir feiern heute „Pfingsten“, das Fest mit dem alten griechischen Namen: „Pentecoste“, was bedeutet: 50. Tag nach Ostern. Pfingsten ist ein Fest mit jüdischer Vorgeschichte: das jüdische Fest „Shavuot“ war ursprünglich ein Erntefest und es wurde dann im Judentum zum Fest der Gabe der Tora. Die Juden feiern an diesem Fest die Gabe der fünf wichtigsten Schriften im Ersten Testament. Wir in den christlichen Kirchen des Westens feiern an diesem Datum die wunderbare Gabe des heiligen Geistes.
      Zum heutigen Pfingstfest hören wir jetzt drei Texte aus der Bibel: Zuerst ein kurzer Text aus dem Buch Genesis, also aus der ersten Schrift in der Bibel. Dann kommt der klassische Festtagstext aus der Apostelgeschichte und als Drittes die Frohbotschaft aus dem Johannesevangelium. Zwischen den Bibeltexten sprechen wir jeweils ein Zwischengebet. Hören wir achtsam und gut!

 

Lesung aus dem Buch Genesis
(Genesis 2,4b-7)

 

      Zur Zeit, als GOTT, ADONAI, Erde und Himmel machte, gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch keine Feldpflanzen, denn GOTT, ADONAI, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitete, aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Erdbodens.
      Da formte GOTT, ADONAI, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. 

 

                                      1. Zwischengebet  

                                    Du starker Lenker, treuer GOTT,
                                    aus Dir strömt alles Leben.
                                    Du gibst dem Morgen hellen Glanz,
                                    dem Mittag Glut in Fülle.

                                    Bewahre uns vor Übermut.
                                    Hilf uns, wenn wir erschlaffen.
                                    Mach uns gesund an Geist und Leib
                                    und schenk uns Deinen Frieden.

                                    Lob sei dem Vater und dem Sohn,
                                    Lob sei dem Heil’gen Geiste,
                                    wie es vor allem Anfang war,
                                    jetzt und für alle Zeiten. Amen.

 

 

 

Lesung aus der Apostelgeschichte
(Apg 2,1-4)

       Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen.
      Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen liess sich eine nieder. Und alle wurden von heiligem Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

 

                                      2. Zwischengebet 

                                    Komm, Heil’ger Geist, vom ew’gen Thron,
                                    eins mit dem Vater und dem Sohn;
                                    durchwirke unsre Seele ganz
                                    mit Deiner Gottheit Kraft und Glanz.

                                    Erfüll mit heil’ger Leidenschaft
                                    Geist, Zunge, Sinn und Lebenskraft;
                                    mach stark in uns der Liebe Macht,
                                    dass sie der Geschwister Herz entfacht.

                                    Lass gläubig uns den Vater sehn,
                                    ein Ebenbild, den Sohn, verstehn
                                    und Dir vertraun, der uns durchdringt
                                    und uns das Leben GOTTES bringt.
                                    Amen

 

 

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
(Johannes 20.19-23)

 

      Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam JESUS, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
      Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
      JESUS sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
      Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfanget heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. 

 

Predigtwort

 GOTTES Hauch regt an zu Leben und Frieden

 

      In diesen aufwühlenden Tagen der gefährlichen Virus-Krankheit der Corona-Pandemie feiern wir unsere beiden grossen christlichen Feste Ostern und Pfingsten.
      Die notwendigen Vorsichtsmassnahmen zur Bewältigung dieser globalen Pandemie haben tief in unser privates, gesellschaftliches und kirchliches Leben eingegriffen. So mussten Treffen, Begegnungen, Zusammenkünfte, Feste und Feiern und auch öffentliche Gottesdienste ausfallen.
      Sorgen und Ängste haben viele befallen. Und wir konnten uns nicht so beistehen, wie wir das gerne getan hätten. Kein Sich-an-der-Hand-Halten oder In-den-Arm-Nehmen; keine Besuche und keine tröstenden und aufmunternde gemeinsame Stunden mit Verwandten, Freunden, Nachbarn im Spital und Altersheim. Das hat oftmals Einsamkeit und Angst intensiv spürbar gemacht.
      Nun aber, am Pfingstfest, können wir wieder in der Kirche beisammen sein und miteinander das Fest Pfingsten feiern. Darum ist es gut, auf den grundlegenden Inhalt dieses wichtigen christlichen Festes einzugehen.
      Im Evangelium haben wir gehört, dass JESUS die Jünger angehaucht hat und dazu sagte: „Empfanget heiligen Geist!“
      Das Anhauchen ist in der biblischen Offenbarung eine wichtige Tat. Wir haben heute in der Lesung aus dem Ersten Buch der Bibel gehört: „Da formte GOTT den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen“.
      Der Atem, dieser Hauch GOTTES, schenkt dem Adam Leben. Das  hebräische Wort „Adam“ heisst wörtlich übesetzt „Erdling“. Mystisch gesprochen wird der „Erdling“ durch diese Urbeatmung an den Atem GOTTES angeschlossen.
       Wie lebensnotwendig für den Menschen die Verbindung mit dem Atem GOTTES ist, zeigt auch Psalm 104, wo es heisst:

                  „Du schickst aus deinen Hauch, sie werden erschaffen,
                  und du erneuerst das Antlitz der Erde.“ (Ps 104,30)

      Gemäss der biblischen Lebenserfahrung lebt alles Lebendige durch den Hauch GOTTES. Die Juden als Volk GOTTES waren immer überzeugt, dass der Geisthauch GOTTES die Welt durchatmet und so die Lebendigkeit des Menschen und der ganzen Schöpfung ermöglicht.

      Diese biblischen Vorstellungen und Erfahrungen sind der bildhafte Hintergrund für die eindrückliche Erzählung, wie JESUS im Johannesevangelium die Jünger und Jüngerinnen mit seinem Atem anhaucht. Und es ist auch wunderbar, wie JESUS die Verängstigten anspricht: Nicht mit tadelnden Worten oder Vorschriften: Ihr müsst das und das tun!, sondern mit dem aufmunternden Wunsch: „Friede sei mit euch!“
      Um diesen Frieden fühlbar zu machen, haucht JESUS sie an, so wie eine Mutter ihr Kind, das gestürzt ist, in den Arm nimmt und streichelt, tröstet und über die Wunden haucht: „Ich bin doch mit dir“.
      So lässt JESUS seine verängstigten Jünger und Jüngerinnen und auch uns erfahren: Der Hauch GOTTES bewegt dich und dein  Leben. Du kannst leben im Geist der Geschwisterlichkeit, der Versöhnung, der Gerechtigkeit, im Geist des Trostes, des Heilens und Helfens. Durch den Hauch GOTTES ist euch eine wunderbare Kraft geschenkt für euer menschliches Sein und Leben.
      Im Anhauchen der Jünger und Jüngerinnen wiederholt sich überbietend die Anhauchung Adams durch den Atem des Schöpfergottes. Es ist eine Neu-Werdung durch den Hauch GOTTES.
      Heute, am Pfingstfest 2020, ist durch die Corona-Pandemie eine ganz besondere Zeit. Eine Zeit, die durch ihren Hauch, durch ihr Brausen oder ihren Sturm uns anregen kann zu verschiedenen Reaktionen und Taten, je nach unseren eigenen Möglichkeiten und Talenten.
      Ich wünsche uns allen, dass diese besondere Zeit der Corona-Pandemie eine von GOTTES Geisthauch bewegte Zeit wird, eine Zeit, wo wir Vertrauen, Hoffnung und Liebe erfahren und auch schenken und so beitragen zum Frieden in unserem eigenen Herzen und in unserer persönlichen und in der weltweiten, globalisierten Welt.

 

JESUS CHRISTUS spricht auch zu uns heute:
Friede sei mit euch!
ER haucht auch uns an und spricht:
Empfanget heiligen Geist!

 

      Am Schluss des Gottesdienstes noch zwei Gedanken auf den Weg: In dieser Pandemie-Zeit wurden die Menschen ab 65 und dann besonders ab 80 Lebensjahren als besonders für sich und für die andern krankheitsgefährdend eingestuft. Das ist für ältere Menschen oftmals nicht so einfach zu ertragen.
      Darum möchte ich jetzt unseren älteren Mitmenschen zwei anregende Gedanken zum Alter mit auf den Weg geben.
      Der erste Gedanke stammt vom Chinesischen Schriftsteller Lin Yu Tang, der 1976  81-Jährig verstorben ist. Lin Yu Tang hat formuliert: 

 

Dans la jeunesse, la beauté est un accident de la nature.
Dans la vieillesse, c’est une oeuvre d’art.

         In der Jugend ist die Schönheit ein Zufall der Natur.
         Im Alter ist sie ein Kunstwerk.

 

Der zweite Gedanke stammt vom berühmten Dichter Victor Hugo, der 1885 als 83-jähriger verstorben ist.  Victor Hugo hat festgestellt:

 

Dans les yeux des jeunes, on voit des flammes,
mais dans les yeux des anciens, ony voit la lumière.

         In den Augen der Jungen sieht man Flammen,
         aber in den Augen der Alten sieht man das Licht.




6. Sonntag in der Osterzeit

Sonntag, 17. Mai

Sendung auf HOMEPAGE für Spnntag, 17. Mai 2020
Zur Einstimmung
Einige Takte aus der Kantate "Jesus bleibt mein Freund" von J. S. Bach

 Einführung und Lesung

 

Liebe Hörerin! Lieber Hörer!

 

      In diesen Frühlingswochen durchleben wir alle eine besondere Zeit. Die Corona-Pandemiebeeinflusst und begrenzt unser persönliches, privates, familiäres und auch unser gemeinschaftliches Leben.
      Das Osterfest 2020 und der „Weisse Sonntag“ sind still und wenig festlich vorbeigegangen. Nun ist bereits der 6. Ostersonntag. Da verkündet uns die Liturgie einen Ausschnitt aus dem ersten Petrusbrief. Darüber möchte ich jetzt mit Ihnen etwas nachdenken.
      Der erste Petrusbrief gehört zu den sieben Schreiben im Neuen Testament, die man seit alters als „Katholische Briefe“ bezeichnet. Sie haben keine strenge Briefform, sondern eher den Charakter von einem Animationsschreiben.
      Entstanden ist  der erste Petrusbrief wahrscheinlich in Rom. Die Zustände und Verhältnisse, die sich darin spiegeln, deuten auf eine Abfassung am Anfang der 90er-Jahre hin.
      Hören wir nun einen kleinen Ausschnitt aus diesem ermutigenden Lehrschreiben an die junge Christenheit!

 

 Lesung aus dem ersten Brief des Apostel Petrus
(1 Petrus 3,15-18)

 

      Schwestern und Brüder!
Heiligt in euren Herzen CHRISTUS, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort  zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in CHRISTUS in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden. Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es GOTTES Wille ist, als für böse.
      Denn auch CHRISTUS ist der Sünde wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu GOTT hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

 

      Soweit die Lesung zum heutigen Sonntag aus dem ersten Petrusbrief!

 

Predigtwort

 

      Der erste Petrusbrief richtetet sich an Christengemeinden, die in einer Diaspora-Situationleben, östlich von Griechenland, also im Gebiet der heutigen Türkei.
      Als kleine christliche Gruppe in einer grossen Mehrheit von Nichtchristen haben die Christen damals zuweilen gelitten unter VerachtungBenachteiligung und Bedrohungen. Der erste Petrusbrief wollte die Christen in dieser schwierigen Situation ermutigen und stärken.
      Das war vor 1900 Jahren. Was aber können diese Worte uns heute sagen?
      Man kann sich fragen: Leben wir Christen heute in unserer modernen, säkularisierten Welt nicht auch in einer Art Diasporasituation? Jedenfalls regen schon die ersten Sätze unserer heutigen Lesung an zum Nachdenken, wenn es da heisst:
      Heiligt in euren Herzen CHRISTUS, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort  zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig...
       „Heiligt in eurem Herzen CHRISTUS“ bedeutet in unserer Sprache heute: bekennt und ehrtJESUS, den Gekreuzigten und Auferweckten als die biblische Rettergestalt, die hebräisch MESSIAS und griechisch CHRISTUS genannt wird.
      Der Petrusbrief ermutigte die bedrängten Christen damals und will auch uns heute anspornen: Wir sollen CHRISTUS ehren und ihm vertrauen für das, was er für uns  Christen wirklich istUnser Kyrios, das heisst heute: unser Lehrer, unser Meister, unser Vorbild, unser Ermutiger, unser innigster Freund.
      Das soll JESUS CHRISTUS für uns sein, und zwar zutiefst in unseren Herzen, d.h. mit unserer Liebe und mit unserer Entscheidungskraft, in unserem Verhalten und in unseremWirken. Wir sollen so in der Spur JESU CHRISTI versuchen zu leben und zu handeln, zu vertrauenhoffen und lieben.
      Für das Verhalten gegenüber anders denkenden und andersglaubenden Menschen gibt der Petrusbrief den Rat: „Jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig“.
      Wir werden damit ermutig zu einem Lebensstil und Verhalten von Vertrauen, von Zuwendung und Mitmenschlichkeit; so wie wir das in der Person und der liebenden Begegnung mit JESUS CHRISTUS immer wieder erfahren.
      Charlie Chaplin, dieser Weltstar des Kinos mit berühmt gewordenen Filmen wie z.B.: The KidGoldrauschModern TimesDer grosse DiktatorLimelight, dieser begnadete Mensch hat in der Rede zu seinem 70. Geburtstag in säkularer Sprache etwas ausgesprochen, zu dem auch der Petrusbrief anregt. Von den 10 Punkten seiner Rede nenne ich hier kurz zwei. Chaplin bekannte:
      „Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen. So habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: Das nennt man DEMUT.
      Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzkräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.“
      Unser Petrusbrief regt uns an, JESUS CHRISTUS so in unser Leben hineinzunehmen, dass wir tagtäglich versuchen in der  Spur JESU zu leben, das heisst also: so zu denken und zu wirken, zu vertrauenhoffen und lieben.
      In diesem Sinne ermutigen uns auch die Worte aus dem heutigen Sonntagsevangelium, wo JESUS spricht: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. ... Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; ...“

      Die allgemeine Frage, ob wir Christen heute in unserer modernen, säkularisierten Welt nicht auch in einer Art Diaspora-Situation leben, können wir jetzt konkretisieren mit den Fragen:
      - Was kann die heutige  Situation der Corona-Pandemie mir selbst, meiner Familie und unserer Gesellschaft heute sagen?
      Was kann ich, was können wir daraus lernen?
      
- Was bringt diese einzigartige Zeit seelisch mir persönlich, meiner Familie und uns als Gemeinschaft?
      - 
 Wie lebe ich in solcher Zeit echt in der Spur JESU?

      Jede und jeder von uns hat besondere Talente und besondere Begabungen, um diese neue Situation mit VertrauenHoffnung und Liebe zu leben.

 

Schlusswort

 

      Für die kommenden Schritte in diesen besonderen Tagen wünsche ich uns allen GOTTES Segen mit GesundheitVertrauenHoffnung und Liebe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! + + +
      Abschliessend erfreut uns nun  Orgelmusik aus der Kantate „JESUS bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian BACH, gespielt vom Meisterorganisten Gilberto Fischli auf der Orgel unserer St. Annakirche.

 

 Musik

 

Schlussakkord aus „JESUS bleibet meine Freude" von Johann Sebastian BACH.