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Weihnachten
Mittwoch, 25. Dezember 2019 

 „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“

Einführung in die Lesung

      Die Lesung am heutigen Weihnachtstag  ist aus dem zweiten Teil des Propheten-buches Jesaja. Dieser Teil ist nach der Rückkehr aus dem Exil in Babylonien im Heimatland Israel entstanden und im 5. oder 4. Jahrhundert v.Chr. ins Prophetenbuch Jesaja eingefügt worden.
      Es ist ein Freudenlied, das erinnert an die frohe Zeit der Rückkehr nach Jerusalem und so Heimat, neues Licht und neues Heil verkündet.
      Hören wir achtsam auf die trostvollen Worte des Prophetenbuches Jesaja!

 

Lesung aus der Buch Jesaja
(Jesaja 52,7-10)

      Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheisst, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
      Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt.
      Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der HERR hat sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst. Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Nationen entblösst und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.

 

Aus der Frohen Botschaft nach Johannes
(Johannes 1,1-5.9-14) 

         Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
      Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
      Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
      Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

 

Predigtwort

„Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“

      Im Gottesdienst gestern mitten in der Nacht, haben wir im Evangelium gehört von der Geburt JESU in Bethlehem im Stall, mit der Krippe, den Engeln und den Hirten.
      Heute Morgen aber sind wir überrascht, wie so anders das Johannesevangelium uns anspricht. Dieses vierte und letzte Evangelium ist eine Generation später geschrieben worden als die drei ersten. In dieser Andersheit der vier Evangelien zeigt sich, wie biblische Texte geprägt sind von der Situation, in der sie entstanden sind.
      Was die Erzähler der Hirtengeschichte noch nicht so sagen konnten, hat das Johannesevangelium mit der Erkenntnis der Christen in der griechischen Welt in seinem Vorwort, dem sog. „Prolog“, ausgesprochen.
      Aus der Vielfalt der Gedanken dieses berühmten Prologs nehme ich jetzt nur einen Aspekt genauer in den Blick, nämlich das Phänomen „Licht“.
      Wir alle kennen den Unterschied zwischen Licht und Finsternis. Gerade jetzt im Winter wird uns tag-täglich bewusst, welch ein Unterschied ist zwischen Licht und Finsternis. Unheimlich, wenn das Licht ausfällt und wir nichts mehr sehen. Und wenn dann plötzlich  ein Licht aufleuchtet, ist das wie eine wunderbare Befreiung.

      Bei Licht haben  wir den Durchblick: wir sehen den Weg, wir erkennen Ziele und Hindernisse. Wir sind bei Licht freudiger und glücklicher als in der Dunkelheit.
      Das Wort „Licht“ bezeichnet nicht nur das, was visuell mit den Augen  wahrgenommen wird, sondern ebenso sehr auch was seelisch in uns vorgeht. Darum kann ein erlösendes Wort, eine liebevolle Geste, eine helfende Tat auch „Licht“ sein in der Finsternis.
     Es ist auffallend, dass in den ersten Sätzen, ganz am Anfang der Bibel, GOTT inmitten der Finsternis das „Licht“ erschafft.
      In der Botschaft der Propheten bedeutet „Licht“ Heil und „Finsternis“ bedeutet „Unheil“.
      Im Neuen Testament ist „Licht“ Sinnbild oder Ausdruck für „Leben“ (Joh 1,9), wie auch Ausdruck für Wahrheit, Klarheit und Orientierung (Joh 8,12).
      Der Ausdruck „Licht“ kann im Neuen Testament auch die Sphäre GOTTES bedeuten: „Gott ist Licht“, heisst es im Ersten Johannesbrief (1 Joh 1,5), und Christus ist das „wahre Licht“ (Joh 1,8f), verkündet der Johannesprolog.
      Wie ist wohl diese Bedeutung von Licht entstanden? Juden und Nichtjuden in damaliger Zeit haben das Leben und Wirken JESU, seinen Kreuzestod und die starke geistige Wirksamkeit nach seinem Tod erfahren. Die Liebe zu JESUS CHRISTUS wird so als Sinn-Erhellung für Leben und Tod erfahren; die Liebe zu JESUS CHRISTUS ist für die Christen damals wie ein wunderbares seelisches Licht.
      Man fühlt es ganz intensiv im Neuen Testament, dass Verbundensein in Liebe mit JESUS CHRISTUS dem menschlichen Leben und Sterben neuen, unzerstörbaren Sinn verleiht. Das wohl meint das Bekenntnis: Christus ist das „wahre Licht“.

      Was können diese intensiven biblischen Erfahrungen uns heute sagen?
      Das Leben JESU kann auch für uns vorbildlich und erhellend sein. JESU Wirken durch Wort und Tat, seine Zuwendung und Liebe zu den Menschen, sein Kreuzestod, sein geistvolles Wirken nach seinem Tod in der ganzen Welt und über all die Jahrhunderte hin kann uns Licht schenken, Licht auch ins Dunkle des Todes. So erfahren wir die Liebe GOTTES durch JESUS CHRISTUS, der uns „wahres Licht“ ist.

      Diese seelische Erfahrung wird in unserem Gottesdienst bildhaft dargestellt, wenn zur Verkündigung der Lesung und des Evangeliums die Kerzen der Ministranten mit der Flamme vom „Ewigen Licht“ entzündet werden: Vom „Ewigen Licht“ kommt das „Licht“ hin zu uns als Volk Gottes. Wir erhalten Licht vom „Ewigen Licht“, Sinn vom „Ewigen Sinn“.

      Zu unserem Thema „Licht“ gehört noch ein wichtiger Aspekt: Auch wir Menschen können einander „Licht“ sein.
      Mit einem freundschaftlichen Wort, mit einem Zulächeln, mit einer Hilfe und einer guten Tat können wir für unsere Mitmenschen ein „Licht“ sein, das die Finsternis der Sinnlosigkeit aufhellt mit dem „Licht der Liebe“. Ja wir können und sollen „einander Licht sein“ mit unseren Worten und unseren Taten.
      Eine Erzählung aus dem konkreten Leben hat diese Erfahrung mir tief ins Herz gesprochen: Martin Buber, der berühmte Philosoph und Übersetzer der hebräischen Bibel, erzählt in einem seiner Bücher folgende Erfahrung aus seiner Kindheit:
      „Als ich ein Kind war, las ich eine alte jüdische Sage, die ich nicht verstehen konnte. Sie erzählte nichts weiter als dies: „Vor den Toren Roms sitzt ein aussätziger Bettler und wartet. Es ist der Messias.“ Damals kam ich zu meinem Grossvater und fragte ihn: „Worauf wartet er?“ Und der alte Mann antwortete mir etwas, was ich damals nicht verstand, und erst viel später verstehen gelernt habe; er sagte: „Auf dich.“

Ich verstehe das so:
Jede Not, die uns wirklich begegnet,
wartet auf uns, also auf dich und dich und mich,
dass wir helfen,
und so
für die Leidenden zum Licht werden.



1. Adventsonntag A

Samstag / Sonntag
30.Nov. / 1. Dez. 2019 

Lesung aus dem Buch Jesaja
(Jesaja 2, 1-5)

         Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amos, über Juda und Jerusalem geschaut hat.
         Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg des Hauses des HERRN steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Nationen. Viele Völker gehen und sagen: Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des HERRN und zum Haus des Gottes Jakobs. Er unterweise uns in seinen Wegen, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion zieht Weisung aus und das Wort des HERRN von Jerusalem.
         Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.
         Haus Jakob, auf, wir wollen gehen im Licht des HERRN. 

Aus der Frohen Botschaft nach Matthäus
(Matthäus 24, 37-44)

         In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie es in den Tagen des Noach war, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein.
         Wie die Menschen in jenen Tagen vor der Flut assen und tranken, heirateten und sich heiraten liessen, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnte, bis die Flut hereinbrach und alles wegraffte, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein.
         Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die an derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.
         Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
         Bedenkt dies: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.
         Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. 

Predigtwort
Noach – Babel – Abraham

         Wieder stehen wir am Anfang eines neuen Kirchenjahres.
In diesem Advent 2019 werden die Predigten in unserer St. Annakirche angeregt durch das Leitmotiv: „Vorbilder in BIBEL und LEBEN heute.
         Das Evangelium, das wir eben gehört haben, zeigt uns drei Situationen, die uns vorbildlich sein können.
         Da ist einmal Noach. Er wird in der Bibel als bewährter Mann charakterisiert; ein Mensch, der mit GOTT wandelte, der treulich tat, was ihm seine Lebenssituation und seine innere Stimme eingab.
         Da kam eine riesige Flut über das Land, die alles Leben erstickte. Noach aber wurde mit seiner Familie gerettet durch die Arche, die er auf Eingebung GOTTES erbaut hatte. Nach seiner wunderbaren Rettung dankt Noach GOTT mit einem Dankesopfer.
         Auf das hin hat GOTT mit Noach einen Bund geschlossen und versprochen: „Nicht noch einmal will ich alles Lebende der Erde schlagen, wie ich getan habe...“ (Gen 8,21) Und weiter: „Das sei das Zeichen des Bunds, das ich setze zwischen mir und euch, für ewige Zeiten. Meinen Bogen setze ich ins Gewölk, und er sei zum Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde.“ (Gen 9,12-13)
         So ist der Regenbogen zum Bundeszeichen geworden. Bis heute beten die frommen Juden, wenn sie einen Regenbogen sehen, das Gebet: „Gelobt seist Du, ADONAI, unser GOTT, König der Welt, der du des Bundes gedenkst, treu deinen Bund hälst und dein Wort erfüllst.“
         Uns Christen zeigt das Evangelium Noach als Vorbild: „Seid also wachsam wie Noach in seiner Zeit! Haltet euch bereit! Seid achtsam, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer HERR kommt.“
         Wir können uns auch mal fragen: Was denken und tun wir, wenn wir einen Regenbogen sehen? Wachen wir auf ? Werden wir achtsam auf die andere Dimension in unserem Leben ?
         Auf die Noach-Geschichte folgt in der hebräischen Bibel die Erzählung vom Turmbau zu Babel. Übermütig sagen da Menschen zueinander: „Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis in den Himmel! So wollen wir uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen!...“
         Aber das stolze Experiment geht daneben. Alle zerstreuen sich und hören aufan der Stadt zu bauen. Darum bekommt die Stadt den Namen Babel, das heisst: Durcheinander; denn dort wurden die Sprachen verwirrt und die Menschen zerstreuten sich über die ganze Erde. (Gen 11,9)
         Von dieser Turmbau-Erzählung zu Babel lernen wir, dass menschliche Gemeinschaft, dass echtes Miteinander-leben in Frieden und Gemeinschaftssinn mehr ist als grosse Parolen, mehr als stolzes Wissen und mehr als technisches Könnenechtes Miteinander verlangtVertrauenHoffen und Lieben.
         Dass solches VertrauenHoffen und Lieben wesentlich ist für erfülltes menschliches Leben zeigt die darauf folgende Abraham-Erzählung. Sie beginnt mit dem Ruf GOTTES an Abraham: „Lech lecha ...(Gen 12,1) zu deutsch: Geh für dich hin! D.h. Geh deinen Weg! Wirke mit deinen Talenten, die du hast! Höre auf die inneren Stimme, die für dich Stimme GOTTES ist!
         Abraham ist für JudenChristen und Muslime zum Vorbild geworden für Leben im Vertrauen auf GOTTES RufLeben in der Hoffnung auf Zukunft über den Tod hinaus und erfülltes Leben in Gastfreundschaft und aus Verbundenheit mit GOTT.
         Diese biblischen Ur-Erzählungen sind prägende Vorbilder für gläubiges, religiöses Leben; sie sind darum auch Auftakt zu unserem Altarbild.
         Wir haben aber nicht nur Vorbilder in der BibelJeder und Jede von uns hat auch Vorbilder in der persönlichen Lebensgeschichte. Und es ist gut und anregend, auch wieder mal zu überlegen: wer ist mir in meinem Leben Vorbild geworden und womit hat er oder sie mich geprägt? Da wird es dann sehr persönlich.
         Für mich waren und sind mein Grossvater und mein Vater entscheidend wichtige Vorbilder. Wie sie ehrlich und klug gearbeitetgelebt und gewirkt haben und gut zu mir warenauf ihre so persönliche, wunderbare Art.
         Später, als Patient im Lungensanatorium, wurde mir Sr. Aquina als glaubender Menschund Leiterin der Arbeitstherapie Vorbild und Ermutigung für meinen besonderen Lebensweg.
         Später, in meinen Kursen als Bibeltheologe, habe ich dann in besonderer Weise die engagierte Mithilfe von Frauen als vorbildlichkonstruktiv und hilfreich erfahren.
         Auch Menschen mit ihren Gedanken in Büchern können zum Vorbild werden. So sind für mich auf einzigartige Weise die Schriften von Martin Buber zu Vorbild und Inspiration geworden. Seine philosophische Grundeinsicht lautet:

„Ich werde am Du; Ich werdend spreche ich Du.
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

 
        Hinter allen und über allen Vorbildern ist für uns Christen JESUS das entscheidende VorbildJESUS CHRISTUS, wie er im Neuen Testament dargestellt und verkündet wird, nämlichJESUS als der gute Hirt.

         Für  „JESUS als der gute Hirt“ gibt es eine unerhört eindrückliche Darstellung in der romanischen Kirche in Vézelay im Burgund. Die hohen Seitensäulen dieser mittelalterlichen Kirche haben oben bildhauerisch gestaltete Kapitelle. Eines der vielen Kapitelle fasziniert da in besonderer Weise. Es ist ein tiefes religiöses Vorbild in Stein gemeisseltSichtbar für die Augen, und spürbar für die Herzen.

         Betrachten wir nun diese einzigartige Plastik!
         JESUS, der Judas auf  seinen Schultern trägt wie der gute Hirt das verlorene Schaf. Dieses fast 900 Jahre alte Kapitell zeigt die Botschaft GOTTES von Heil und Erlösung, wie Worte es wohl kaum schönereindrücklicherberührender vermitteln können. Eine überwältigende Hoffnung! Es ist allerschönste Theologie in Stein. Etwas vom Tiefsten der Frohbotschaft JESU wird hier sichtbar:
          JESUS schenkt seine Nähe nicht nach Verdienst, sondern nach der Not des Menschen, nach dem, was der Mensch in seiner Situation braucht. Darum hat JESUS den hebräischen Namen Jeshua, der bedeutet: „GOTT rettet“.
          Es gibt im Leben Situationen, da hilft nur das Tun des Guten, das Tun der Liebe, das Tunder Barmherzigkeit. Das zeigt uns der ruinierte Judas auf den Schultern des guten Hirten JESUS.
 

Auch uns gilt die Hoffnung:
„JESUS CHRISTUS,
der Judas auf seinen Schultern trägt,
trägt auch mich!“
Das ist eine Hoffnung hinter aller Hoffnungen.
Eine Darstellung von
GOTT ist LIEBE.

 


32. Sonntag im Jahreskreis C
Sonntag, 10. November 2019

 

Lesung aus zweiten Brief  des Apostel Paulus an die Gemeinde in Thessalonich
(2 Thessalonich 2,16 – 3,5)

 

    Schwestern und Brüder! Jesus Christus selbst aber, unser Herr, und Gott, unser Vater, der uns liebt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung schenkt, ermutige eure Herzen und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort.
    Im Übrigen, Brüder und Schwestern, betet für uns, damit das Wort des Herrn sich ausbreitet und verherrlicht wird, ebenso wie bei euch!
    Betet auch darum, dass wir vor den bösen und schlechten Menschen gerettet werden; denn nicht alle nehmen den Glauben an.
    Aber der Herr ist treu; er wird euch Kraft geben und euch vor dem Bösen bewahren.
    Wir vertrauen im Herrn auf euch, dass ihr jetzt und auch in Zukunft tut, was wir anordnen.
    Der Herr richte eure Herzen auf die Liebe Gottes aus und auf die Geduld Christi.

 

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Lukas
(Lukas 20,27-38)

 

    In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
    Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterliessen keine Kinder, als sie starben.
    Schliesslich starb auch die Frau.
    Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.
    Da sagte Jesus zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten. Die aber, die gewürdigt werden, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, heiraten nicht, noch lassen sie sich heiraten.
    Denn sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich  und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind.
    Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den HERRN den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und denn Gott Jakobs nennt.
    Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle. 

 

Predigtwort
Auferstehung und ewiges Leben

 

     Der November ist ein besonderer Monat: Die Bäume verlieren die Blätter oder haben sie schon verloren, die Felder sind leer, die Natur stirbt ab.
     Im Monat November ist der Tod wie in keinem anderen Monat so spürbar. Darum sind wohl die Feste Allerheiligen und Allerseelen, an denen wir ganz besonders an unsere Toten denken, im Monat November.
     An irgendeinem Punkt des Lebens stellt sich wohl für jeden Menschen die Frage nach dem Tod  und dem, was danach kommt.
    In diese November- Situation, die vom Totengedenken geprägt ist, bringt das Evangelium heute eine Erzählung, in der von der Auferstehung der Toten und vom GOTT der Lebenden die Rede ist.
    Zur Zeit JESU glaubten in Israel nicht alle religiösen Gruppierungen an die Auferstehung der Toten. Die Gruppe der Sadduzäer, die zur Jerusalemer Oberschicht gehörte, lehnte die Vorstellung von der Auferstehung der Toten ab.
    Auf die Frage der Sadduzäer in unserem Evangeliumstext macht JESUS klar, dass das ewige Leben nicht einfach eine Verlängerung des irdischen Lebens ist. Das Gespräch im Lukasevangelium zeigt, dass für JESUS „ewiges Leben“ nicht Illusion, sondern Wirklichkeit ist.
    Aber „ewiges Leben“ ist nicht bloss Verlängerung des gegenwärtigen Lebens hier; sondern: „ewiges Leben“ ist eine andere Wirklichkeit. Wir können uns das nicht wirklich vorstellen.
    Den Vorstellungen und dem Denken der Sadduzäer, die nicht an eine Auferstehung glauben, setzt JESUS die Hoffnung auf eine andere Welt entgegen:
    Es ist dies eine Welt, die wir uns nicht ausmalen können, nach der aber doch unser Innerstes sich in gewissen Situationen zutiefst sehnt. Es ist eine intensive Hoffnung, dass wir uns wiederfinden werden in den grenzenlosen Möglichkeiten GOTTES.
    Die Antwort JESU an die Sadduzäer bestätigt, dass die Wirklichkeit GOTTES viel grösser ist, als wir Menschen das je denken können. GOTT umfasst alle Wirklichkeit; für JESUS ist die Menschheit nicht getrennt in Lebende und Tote.
    Die Ostererfahrung der Jüngerinnen und Jünger JESU ist genau diese: GOTT ist treu! Das Leben JESU endet nicht am Kreuz! Durch diese Ostererfahrung wurde das ganze Leben JESU in ein neues Licht gesetzt.
    Und aus dieser Erfahrung, die sich nun schon zweitausend Jahre als kraftvoll und wunderbar erwiesen hat, schöpfen wir unsere Glaubenshoffnung auf ewiges Leben mit GOTT.
    Ich möchte meine Gedanken zum heutigen Evangelium abschliessen mit einem Gebet, das uns überliefert worden ist. Ich habe dieses Gebet zusammen mit dem schönen Mosaikkreuz in Ravenna abgedruckt, damit alle, die möchten, das Gebet heimnehmen und daheim immer wieder beten können:

                                    An Dich glaub ich,
                                    auf Dich hoff ich,
                                    GOTT, von Herzen lieb ich Dich.

                                    Niemand soll mir diesen Glauben,
                                    weder Tod noch Hölle, rauben.
                                    Und wenn einst mein Herz
                                    will brechen,
                                    will ich noch im Sterben sprechen:

                                    An Dich glaub ich,
                                    auf Dich hoff ich,
                                    GOTT, von Herzen lieb ich Dich!
                                                          Amen.