Auf SEINE STIMME hören


28. Sonntag im Lesejahr A
Sonntag 11. Oktober 2020

Einführung in die Lesung

      Wir hören nun eine kurze Lesung aus dem Brief des Völkerapostel Paulus an die Gemeinde in Philippi. Philippi war eine Stadt in Macedonien, Griechenland.
      Von Anfang an hatte Paulus zu den Philippern ein besonderes Vertrauensverhältnis. Er lässt die Gemeinde an dem teilnehmen, was ihn bewegt. Er überdenkt sein Leben, sein Wirken und sein Leiden im Licht der innigen Verbindung mit JESUS CHRISTUS. In kurzen Sätzen lässt Paulus die Gemeinde in Philippi teilhaben an seinem Sinn und seiner Freude, die er im Glauben an JESUS CHRISTUS entdeckt hat.
      Wir verstehen unter „Leben im christlichen Glauben“ oftmals etwas Anstrengendes, Mühsames; für Paulus und das Evangelium ist das „Leben im christlichen Glauben“ eine Fülle von Freude, etwas, das unser Leben hell und reich macht. Hören wir gut!

 Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Philippi
(Philipper 4,12-14.19-20)

      Schwestern und Brüder! Ich weiss Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch den, der mich stärkt. Doch ihr habt recht daran getan, an meiner Bedrängnis Anteil zu nehmen.
      Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken.
      Unserem Gott und Vater aber sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen.

 

Lesung aus dem Sonntagsevangelium
(Matthäus 22,1-10)

      In jener Zeit erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
      Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.
      Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
      Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, liess die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
      Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Strassen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein! Die Diener gingen auf die Strassen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

 Predigtwort
Einladung zu festlichem Leben

      Das Gleichnis von der Einladung zum Hochzeitsfest, das wir eben im Evangelium gehört haben, ist eine bildhafte Erzählung von Einladung und verpassten Chancen.
      Kurz zusammengefasst wird da erzählt: Ein König lädt zum festlichen Hochzeitsmahl. Aber die Eingeladenen haben anderes im Kopf und verweigern sich. Darauf holt der beleidigte König Andere, Fremde, an seinen Tisch.
      Das Evangelium sagt uns damit also: Alle Menschen sind eingeladen zum Fest, aber nicht alle wollen kommen. Die Einladung wird nicht angenommen. Das ist in die Tragik. So wird tiefer Lebenssinn, ja das Leben in Fülle, ausgeschlagen. Es ist ein dunkles Geheimnis, dass man die Einladung GOTTES zum Fest des Lebens verscherzen kann.
      Menschliches Leben ist mehr als Kühe aufziehen und Äcker bebauen, mehr als attraktives Handwerk und lohnende Geschäfte, mehr als Wissenschaft und digitale Welterfassung, mehr als Reichtum und Macht.
      Die Wirklichkeit die uns Menschen volles, gelingendes Leben verschafft, kommt nicht nur von uns selbst, sondern ebenso sehr auch von einer anderen Dimension: religiös gesprochen: von GOTT.
      Menschen aus der jüdischen und christlichen Tradition haben immer wieder gefragt: Wie kommt die Einladung GOTTES zum königlichen Fest zu mir als Mensch?
      Die ganze Hl. Schrift, Altes und Neues Testament, haben viele Beispiele, die zeigen, dass geschichtliche Ereignisse im Volk Israel und in der Jungen Christenheit Botschaften und Anregungen sind zu vollem, erfülltem Leben.
      Die Bibel, Erstes und Neues Testament, sagt dazu ganz eindeutig: Wer dem Ruf GOTTES zur Liebe folgt hat GOTTES Einladung angenommen.

      In der besonderen Zeit der Corona-Pandemie, stellt sich die Frage: Was ist heute für uns konkret Botschaft und Einladung zu vollem Leben?
      Eines ist klar: Die Corona-Krise bedeutet die grösste Unterbrechung unseres Lebensstils seit dem zweiten Weltkrieg. Wir erleben Veränderungen im Zusammenleben in unserer Gesellschaft durch Einsamkeit in Krankheit, im Alter,  im Sterben; dann im Wirtschafts- und Arbeitsleben durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Rezession, Konkurse. Die durch die Pandemie auferlegten Beschränkungen unserer Freiheit können sich auch politisch auswirken in nationalen Egoismen und Zerbrechen von friedlichen internationalen Beziehungen.
      Diese moderne und globale Krise in unserem gewohnten Lebensablauf kann auch Folgen haben für unser Glaubensleben und unsere religiöse Gemeinschaft. Das zeigt sich z.B. durch Angst vor gemeinsamem Feiern des Gottesdienstes, oder im Ausfall von religiösen Festen oder Sonntagsruhe, oder in der persönlichen Begleitung von Sterbenden und der menschlichen Verbundenheit am Grab.
      All diese markanten Störungen und Veränderungen unseres gewohnten Lebensablaufen sind nicht einfach nur böse und schädlich; sie können für uns auch Anregung und Motivation sein zu guten Taten, zu intensiverem Leben, zu Versöhnung und zum Engagement füreinander.
      Wir werden angeregt, eine gemeinsame Basis zu suchen für die neue globale Wirklichkeit, in der wir uns in der heutigen Welt befinden. Dazu braucht es vernünftiges Gespräch und Vermeidung von Populismus. Jede und jeder von uns ist angerufen zu gegenseitiger Achtung und Respekt! Es muss uns um Liebe gehen und nicht um Hass, um Hoffnung und nicht um Hoffnungslosigkeit.
      Die Coronakrise lädt uns intensiv ein, uns als Menschen dieser einen Erde zu bewähren. Die Pandemie mit all ihren direkten und indirekten Auswirkungen ist Einladung an Behörden und Verantwortliche, Hilfreiches zu tun für die Gemeinschaft der Bevölkerung. Ebenso sind auch wir alle, die einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner, und besonders auch wir als Christen und Christinnen angesprochen und eingeladen in Solidarität und Rücksichtnahme zu handeln und zu leben.
      Im Sinne JESU und des Evangeliums können solche Krisenerlebnisse Einladung sein zum Festmahl vollen Lebens. 

JESUS und das EVANGELIUM bezeugen:
Wer dem Ruf folgt zur Liebe GOTTES
und zur Liebe unserer Mitmenschen,
der hat GOTTES Einladung angenommen,
der nimmt teil am ewigen Festmahl GOTTES.


24. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag 13. September 2020

Einführung in die Lesung

       Die heutige kurze Lesung aus dem Römerbrief ist ein Bekenntnis des Apostel Paulus über seine innige Verbundenheit mit JESUS CHRISTUS, sowohl in seinem Leben wie auch in seinem Tod.  

 

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom
(Römer 14,7-9)

       Schwestern und Brüder! Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.

      Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.

 

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Matthäus
(Matthäus 18,21-35)

       In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

      Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besass, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
      Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, liess ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
      Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!
      Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und liess ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.
      Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
      Da liess ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
       Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

 

Predigtwort

Verzeihen bringt Segen und Leben

       Paulus hat an seine Gemeinde in Rom geschrieben: „Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber“. Dahinter steckt die Frage an mich: Wofür lebe ich? Genügt es mir, nur für mich zu leben, oder möchte ich, dass mein Dasein auch für meine Mitmenschen Hilfe ist und Sinn macht? Das ist eine existenzielle Frage an jeden Menschen.

      Die Frage, die Petrus seinem Meister und Rabbi JESUS im eben gehörten Evangeliumsabschnitt stellt, ist auch heute noch eine konkrete Frage  nach gutem, sinnvollem Zusammenleben: Wie oft muss ich meinem Mitmenschen verzeihen? Die Antwort JESU ist klar: siebzigmal siebenmal! Das bedeutet: immer und immer wieder.
      Und das nachfolgende Gleichnis vom unbarmherzigen Diener bekräftigt eindrücklich die Weisung, dass wir unseren Mitmenschen immer wieder verzeihen sollen. Das Vergeben von Schuld ist so wichtig, dass unser christliches Hauptgebet, das Vater unser, uns täglich daran erinnert: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“
      Mit dem Gleichnis vom unbarmherzigen Diener zeigt JESUS einen Aspekt von unserem Menschsein, der mitten ins Herz trifft: Im Zusammenleben von uns Menschen gibt es Momente und Situationen, in denen wir verletzt werden. Oftmals durch Kleinigkeiten, hie und da auch durch schwerwiegende Taten oder Entscheidungen von Mitmenschen. Schon bei kleinen Kindern kann man Reaktionen auf seelischen Verletzungen beobachten.
      Auch wir Erwachsenen werden immer wieder, bis ins hohe Alter, von solchen Verletzungen bewegt. Was tun, wenn wir uns z.B. ungerecht behandelt fühlen und verletzt sind?
      Das erste ist wohl, die Verletzung bewusst machen und ins Gespräch bringen. Und das zweite ist durch Verzeihen die Beziehung mit dem Mitmenschen neu ermöglichen.
      Auch wenn wir diesem Rat JESU rasch zustimmen bedeutet das allerdings noch nicht, dass wir diese Weisung auch immer befolgen und in die Tat umsetzen. Verzeihen kann in gewissen Momenten sehr schwierig sein. Manchmal braucht es eine längere Zeit, bis man wirklich verzeihen kann.
      Verzeihen ist auch nicht einfach vergessen. Verzeihen ist eine menschliche Entscheidung: ich gebe dem, der an mir schuldig geworden ist, eine neue Chance und verzichte darauf, meinen Rachedurst zu befriedigen.
      Daran wird auch deutlich, dass Verzeihen grundlegend wichtig ist für unser menschliches Zusammenleben. Für die  Menschen, die in der Spur JESU wandeln wollen, ist Verzeihen eine wesentliche Lebenseinstellung.
      Durch das Gleichnis rückt uns JESUS ins Bewusstsein: Wenn ich erkannt habe, dass Gott zu mir barmherzig ist, dann muss auch ich barmherzig sein zu meinen Mitmenschen. Verzeihen verwirklicht so etwas Wesentliches von dem, was JESUS mit dem Reich Gottes verkündet und selbst gelebt hat. Wer wirklich verzeiht, lebt und wandelt in den Fussstapfen Jesu.

      Selbstverständlich geht es auch bei religiös motiviertem Verzeihen nicht darum, naiv oder weltfremd zu leben und sich ausnutzen zu lassen. Der Staat, z.B., muss auf das Einhalten der Gesetze dringen. Tatsache ist leider, dass in unserer realen Welt die Rechtsordnung und die Gerechtigkeit gar oft verletzt wird.
      Und dennoch stimmt auch die Erfahrung im Sinne JESU und im Sinne des Evangeliums: Wenn wir darauf trauen, dass im Hinblick auf die Gewalt und das Unrecht in dieser Welt nicht der Hass, sondern das Erbarmen und die Liebe das letzte Wort behalten und wenn wir in unserem eigenen Lebensbereich verzeihen und immer wieder verzeihen, werden wir erfahren, dass Verzeihen weiter führt als das Ausleben von Rache und strenger Gerechtigkeit. Verzeihen bringt Segen und Leben.
      Verzeihen hilft nicht nur unseren Mitmenschen, sondern ganz wesentlich auch uns selbst. Wer verzeihen kann, erlangt eine neue Freiheit.

 Wenn wir immer wieder verzeihen geben wir
durch unser Leben Zeugnis vom gütigen Gott.
Und Gottes Barmherzigkeit und Liebe
berühren so unser eigenes Herz
und wir erfahren das als
ERLÖSUNG.




„Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen“

Samstag, 15. August 2020: Festtag

Einführung in die Lesung

      Christliche Feste wollen göttliches Licht austrahlen und bewusst machen. Auch am heutigen Marienfest leuchtet göttliches Licht im Bild von Maria in ihrer Vollendung. Die Liturgie vom heutigen Fest braucht dafür ein dramatisches Bild aus der Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel: „Ein grosses Zeichen erscheint am Himmel“. Im gewaltigen Bild wird deutlich: GOTT trägt den Sieg davon, selbst wenn Tod und Sünde die Herrschaft über das Leben des Menschen ergreifen wollen. GOTT allein ist der Schöpfer und Vollender des Lebens.

Hören wir auf diese dramatische, bildhafte Erzählung!

 Lesung aus der Offenbarung des Johannes 
(Offb 11,19a;12,1-6a.10ab)

      Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar. Dann erschien ein grosses Zeichen am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füssen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache, gross und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.
      Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Lukas
(Lukas 1,39-56)

      In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus von Zacharias und begrüsste Elisabet. Und es geschah: Als Elisabet den Gruss Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.
      Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruss hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen liess.
      Da sagte Maria: Meine Seele preist die Grösse des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Grosses an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
      Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheissen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
      Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

 Predigtwort
Bilder und Gefühle zu Maria


      Es ist etwas Besonderes in unserem menschlichen Empfinden, dass wir Menschen nicht nur vom reinen Verstandesdenken her leben, sondern auch von Bildern und Empfindungen her. Erfahrungen und Bilder aus unserer frühen JugendzeitErlebnissen aus der Natur, wie auch Bilder und Gefühle aus  ErzählungenMärchenGedichten bewegen uns.
      Es gibt allerdings nicht nur schöne Bilder und Empfindungen, sondern auch schreckliche Erfahrungen, wie plötzliche TodesfälleAttentateGewaltverbrechenFlüchtlingselend, Naturkatastrophen und anderes mehr. Auch diese Bilder und Erfahrungen beeinflussen unser seelisches Empfinden.
      Gegenüber solch schrecklichen Eindrücken weckt in uns das Bild einer Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm das Gefühl von Geborgenheit, von Zuwendung, Frieden und Freude!
      Im heutigen Festtags-Evangelium schildert der Evangelist Lukas  ein eindrückliches Bild: Zwei schwangere Frauen begegnen sichMaria und Elisabeth. Gemäss der Erzählung wirkt JESUS schon im Mutterleib Marias auf den Embryo Johannes in der schwangeren Elisabeth.
      Auf diese vorgeburtliche Erfahrung hin lässt das Lukasevangelium Maria ein tiefsinniges und radikales Gebet sprechen: das Magnifikat. Darin lobt und dankt  Maria GOTT für das Wunderbare, das in ihrem Leben geschieht.
      Was ist denn das Wunderbaredas Besondere in ihrem Leben? Es ist die Gabe und Aufgabe, Mutter zu sein; also liebend da zu sein für die Entfaltung ihres Kindes. Muttersein ist eine Urberufung. Für diese Berufung dankt Maria GOTT.
      Später ist der Sohn Marias dann berühmt geworden. Sein Name JESUS bedeutet: „GOTT rettet“. Durch JESUS, durch sein Leben und Sterben und durch sein Wirken nach dem Tod am Kreuz haben in den letzten zweitausend Jahren unzählige Menschen TrostRettung und Heilerfahren.
      JESUS ist für uns Christen ein göttliches LichtJESUS ist ein Bild, das in unserem Herzen MutVertrauenHoffnung und Frieden ausstrahlen kann.
      Am heutigen Marienfest leuchtet uns auch göttliches Licht in der Glaubenshoffnung:„Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen“.
      Die Liturgie vom heutigen Fest braucht dafür Bilder aus dem letzten Buch der Bibel. Darin wird geschildert, dass ein grosses Zeichen am Himmel erschien, nämlich: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füssen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
      Was können solche Bilder für uns bedeuten, in der Welt, in der wir heute leben? Wie kann ich meine Erfahrungen und mein Lebenmeine Freudemeinen Schmerzmein Tun und Unterlassen verstehen im Glaubenslicht dieser Bilder?
      Der berühmte Religionsphilosoph Martin Buber gibt in seine Schrift „Ich und Du“ folgenden Hinweis: „Man muss sich davor hüten, das Gespräch mit GOTT als etwas lediglich neben oder über dem Alltag sich Begebendes zu verstehen. GOTT spricht durch das Geschehen im eigenen Leben, und alles Geschehen in der Welt um uns her macht es für dich und mich zu Weisung, zu Forderung...“
      Das heisst, einfach gesagt, dass schlichte, alltägliche Erfahrungen auch wahre „Gotteserfahrung“ darstellen können; dass also auch unsere persönlichen Lebenserfahrungenuns anregen können zu einem Leben in der Spur JESU.
      Dazu eine schlichte, persönliche Erfahrung: Im Zentrum unseres Altarbildes ist unter dem Kreuz eine Pietà. Der polnische Maler Jan Janczak hat diese Pietà uns vor Augen und ins Herz gemalt.
      Für mich ist dieses Bild immer wieder eine ErmutigungMaria, in der grössten Not, mit ihrem toten Sohn im Schoss, verzweifelt nicht, sondern sieht mit dem Auge des Vertrauens und der Hoffnung in die Zukunft.
      Möchte doch, sowohl in unseren glücklichen Tagen wie auch in schweren Nöten, das Hinblicken auf Maria, die Mutter JESU, auch unser Vertrauen, auch unsere Hoffnung und auch unsere Liebe stärken. So, wie das über Jahrhunderte viele Menschen erfahren haben.

Ich will schliessen mit einer Erfahrung, die der junge Dichter Novalis vor gut 200 Jahren romantisch schön so in Sprache gefasst hat:

                                   Ich sehe dich in tausend Bildern,
                                  MARIA, lieblich ausgedrückt,
                                  doch keins von allen kann dich schildern,
                                  wie meine Seele dich erblickt.

                                  Ich weiss nur, dass der Welt Getümmel
                                  seitdem mir wie ein Traum verweht,
                                  und ein unnennbar süsser Himmel
                                  mir ewig im Gemüte steht.